Gemeinden ohne Priester (II.)
Tun und nicht bettelnWeiter im bereits gestern zitierten Text von B. Klebel:1. Wenn wir aber unseren Namen ernst nehmen: «W i r sind Kirche», dann ist es unsere zentrale, unverzichtbare Pflicht, das Gemeindeleben zeitgemäß zu organisieren (Katholische Soziallehre, Zulehner Fundamentalpastoral). Es gibt keinen Grund, kein Dogma, dass das nur über die Hierarchie geht. Der Auftrag Jesu ging nicht an Priester, das allgemeine Priestertum verlangt genau das. Wir müssen tun und das Tun auch organisieren!2.Wenn man die sakramentale Gegenwart Christi nicht magisch versteht, ist im gemeinsamen Mahl die «lebendige Gemeinschaft mit Christus» laut Nikolasch und Vat II (unabhängig vom verwendeten Begriff) real verwirklicht. Die Gegenwart Christi wird in der Bibel der Gemeinschaft von zwei oder drei Gläubigen «die in seinem Namen beisammen sind» zugesagt. Nach K. Rahner ist der Sinn jeder Messe, zu diesem Mitleben in Gemeinschaft zu animieren. Und religiöse Gemeinde muss in feiernder Gemeinschaft gelebt werden können.3.Die priesterliche Funktion der consecratio ist zunächst nicht ident mit Gemeindeleitung. Das Königsamt = Gemeindeleitung ist erst seit Canossa von Rom allein für die Kleriker arrangiert worden – wie auch das Prophetenamt (das etwas verkümmert in der Predigt weiterlebt) per se weder mit Weihe noch mit Sendung verbunden war. Consecratio könnte den «Ordinierten» weiterhin vorbehalten bleiben (wie in Südamerika).4. Und wie weit das reale Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern wirklich den Bischöfen «gehört», oder nicht eigentlich Nutzungsrechte der Gemeinde begründet, also zweckgebunden sind, sollte weiter untersucht werden; 5.Ebenso müsste man das große Potential «aktiver moderner Laien», gebildeter Juristen, Theologen und Pädagogen (beiderlei Geschlechts) aktivieren können, da für diese Gruppe von «Laien als Gemeindehelfer» römische Argumente nicht von vornherein dagegen stehen.6.Die österreichische Hierarchie ist erpicht auf korrekte Wortwahl – schon wegen der Angst vor Rom; sie hat zwar den Forderungen der PI der Sache nach mehr oder weniger zugestimmt; sie könne aber nichts tun …; – man sollte, bei vorsichtiger Wortwahl, daher einfach t u n und nicht betteln, schimpfen und warten.7.Etablieren wir ein Wort – unabhängig von der Sache – das weniger belastet ist als Messe oder Eucharistie, z.B. Gemeindefeier, Gedenkmahl, Sonntagskirche, KirchenTreff, Wort- Gottesdienst … und organisieren w i r die Pfarrer-losen Gemeinden … Diese Feiern könnten nach Vorbild auch freier, verständlicher und volksnäher gestaltet werden, als die jetzt wieder festgefrorene römische Liturgie.8.Der Vorsteher, Leiter, Organisator, Administrator … (Neuwort etablieren und allgemein verwenden) dieser Treffs sollte von der Gemeinde (gemäß dem Brauch der jungen Kirche) gebeten, gewählt und gesendet werden, auch Paulus wurde von der Gemeinde entsendet.9. «Wir sind Kirche» könnte, ev. zusammen mit der Laieninitiative zur Neuorganisation priesterloser Gemeinden Hilfestellung geben, es sogar organisieren, bei Problemen da sein, (wie die Regelung der Nutzungsrechte der pfarrlichen Gebäude) … als «zweite Instanz» wirken; sie sollte aufzeigen, wie man vorgehen kann und was vermieden werden solle; mit Berichten südamerikanischer Basisgemeinden als Beispiel, in Kursen, in ihrer Zeitschrift; aber auch mit der Entsendung von «Experten» bei der ersten Einführung des Administrators oder wenn vor Ort gerade niemand greifbar ist.10. Ich kann mir vorstellen, dass für solche Hilfsdienste auch Gelder aufzutreiben sind oder gar eine Art Ersatzkirchenbeitrag von jenen gezahlt würde, die meinen, dass die heutigen Hirten ihre Herde alleine lassen und lieber im Aquarium fischen, als ihren Auftrag Christi in aller Welt auszuüben (vgl. dazu L. Derschmidt, KA) und dass Laien daher, nach dem Subsidiaritätsprinzip, einspringen müssten.
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