Konzilsblogteam

Gérard Philips – ein Diplomat

Schon bevor die Diskussionen in der Konzilsaula beginnen, ist absehbar, dass die vorbereiteten Konzilstexte den Erwartungen der Bischöfe nicht genügen werden. Julius Kardinal Döpfner notiert in seinem Tagebuch sogar, dass Staatssekretär Amleto Giovanni Kardinal Cicognani ihn aufgemuntert habe, «nicht zu grosse Scheu vor Verwerfung oder totalen Änderung von Schemata zu haben» (Dö 5). In ähnlicher Stossrichtung gibt Cicognani dem belgischen Kardinal Léon-Joseph Suenens eine Anregung, aufgrund derer Suenens am 15. Oktober 1962 Mgr. Gérard Philips damit beauftragt, ein neues Schema über die Kirche vorzubereiten. Als im Dezember 1962 tatsächlich negative Voten der Bischöfe über das vorbereitete Schema De Ecclesia laut werden, ist der Weg für alternative Vorschläge frei. Als Untersekretär der Theologischen Kommission wird Gérard Philips, Dogmatikprofessor der Katholischen Universität Louvain, für die Konstitution Lumen gentium massgebliche Bedeutung erhalten.Im Rückblick schreibt Suenens, er habe Philips für diese Aufgabe ausgewählt, weil er in seiner Person eine Art via media inkarniert habe, die weder Alfredo Kardinal Ottaviani noch P. Sebastian Tromp Angst eingeflösst habe. Zudem sei er Mitglied des belgischen Senats und mit einem Sinn für parlamentarische Diskussion und einem beachtlichen diplomatischen Talent begabt gewesen.«Die Mitglieder der Theologischen Kommission erinnern sich noch an die berühmte Antwort, die Mgr. Philips einem Bischof gab, dessen Beitrag sehr gelehrt, aber konfus gewesen war (für die Neugierigen: der künftige Kardinal Volk): ‹Ich habe nicht sehr gut verstanden, was Sie gesagt haben … aber seien Sie gewiss, dass wir es auf das Genaueste berücksichtigen werden!›» (Su 114; Punkte im Original).(emf)

15. Oktober 2012 | 01:40
von Konzilsblogteam
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