Auferstehungsglaube
Können wir an den Auferstandenen glauben?»Empfanget den Heiligen Geist. Allen, denen ihr die Sünden nachlasst, sind sie nachgelassen.» Wer von uns 60-jährig oder älter ist, musste diese Sätze einmal auswendig lernen im Katechismus/»Kanisi». Dieser Religionsunterricht hat uns für das Leben geprägt und ist unvergessen. Als ich vorgestern einer Klassenkollegin aus der Primarschule unsere Klosterbibliothek gezeigt habe, fragte sie, wo der Katechismus sei …Wir alle hatten damals in unserer Kinderzeit kaum Mühe, «alles zu glauben, was die Kirche zu glauben vorstellt». Denn auch die allermeisten Erwachsenen glaubten ganz selbstverständlich. Ohne zu jammern müssen wir feststellen, dass es heute viel anders ist. Hat die junge Freidenkerin ganz Unrecht, die gestern in einem Leserinnenbrief schrieb: «Die meisten Menschen feiern hierzulande an Osternbewusst oder unbewusst eher das Widererwachen der Natur, mit Eiern und Hasen, beides uralte heidnische Fruchtbarkeitssymbole.» Für den, wie sie süffisant schreibt, kollektiven religiösen Taumel, welcher unsere Welterklärer erfasst», hat die Dame nur Verachtung übrig.Abgesehen von aller Polemik: Es stimmt leider, dass heute sehr viele Menschen Mühe haben, an die zentrale Botschaft von Ostern zu glauben, die Auferstehung Jesu. Doch vergessen wir nicht: Sogar die Apostel taten sich damit nicht leicht. Thomas weigert sich sogar, an den Auferstandenen zu glauben, wenn er ihn nicht mit den eigenen Händen berühren könnte. Er ist vielen Menschen, die Mühe mit dem Glauben haben, sehr sympathisch. Dennoch müssen wir feststellen: Das Thomas-Prinzip funktioniert gerade heute nicht. Die allerwenigsten Informationen können wir hand-greiflich überprüfen. Wir sind auf Zeugen angewiesen. Wir müssen glaubwürdige Informations-Quellen haben.Sicher, wir müssen sehr kritisch mit den Quellen/Medien umgehen. Aber wenn wir unser Vertrauen vollständig verloren haben, kommt es zu absurden Phänomen und Verschwörungs-Theorien:»«¢ Dann behauptet man, die Mondlandung habe nie stattgefunden und sei eine reine Erfindung.»«¢ Dann meint man, Elvis Presley sei nie gestorben und frühere Päpste sässen als Gefangene in den Verliessen des Vatikans.Ich weiss, manche Freidenker oder Atheisten halten auch die Botschaft der Evangelien für solches Geschwätz. Aber die Freunde Jesu, die Apostel und Jünger, haben den Tatbeweis für ihre Überzeugung geliefert. Die Begegnung mit dem Auferstandenen gab ihnen die Kraft, seine Botschaft buchstäblich bis an die Enden der Erde zu tragen; unter widrigen Umständen, ohne Internet und Jumbo-Jets.Alle Apostel – mit Ausnahme von Johannes – wurden bei ihrer Mission umgebracht.die Einwände der Freidenkerin.Zum Schluss möchte ich kurze auf die Sicht der zitierten Freidenkerin eingehen. Ich meine zwar nicht, dass Eier und Osterhasen uns eine Hilfe sind, an die Auferstehung zu glauben. Anders verhält sich mit dem Wiedererwachen der Natur.Sie kann uns helfen, daran zu glauben, dass es anders sein kann als es ist, dass Veränderungen zum Guten möglich sind.Nur zwei Beispiele:»«¢ Wenn die fette Raupe sich in einem hässlichen Kokon versteckt hat, wer würde daran glauben, dass daraus ein bunter flatternder Schmetterling entsteht?»«¢ In einem Gedicht schrieb der Schauspieler Ernst Ginsberg «Zu Nacht hat ein Sturm alle Bäume entlaubt / Sieh sie an, die knöchernen Besen / Ein Narr, wer bei diesem Anblick glaubt / Es wäre je Sommer gewesen. / Und ein grösserer Narr, wer träumt und sinnt / Es könnt je wieder Sommer werden. Und grad diese gläubige Narrheit, Kind, / ist die sicherste Wahrheit auf Erden.»Wagen wir es, liebe Mitchristen, solch gläubige Narren und Närrinnen zu werden.(Stans, St. Klara, 9.30; Pflegeheim 10.40)PS. Jetzt wird sicher Kollega Bamberger eine Gegendarstellung verfassen. Er darf mir widersprechen, ohne dass ich es als Majestätsbeleidigung anschaue, wie mir in Kommentaren vorgeworfen wurde.
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