Vielfalt der Religionen
Das Panorama der multireligiösen Realität(Kaum hatte ich die Meldung über die multireligiöse Familie Stone – s. unten- gepostet, stiess ich auf diesen Artikel meines Franziskanerfreundes Andreas Müller.)Die Geschichte der Religionen ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Religionensind ein Reflex der Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Immer schon machte Gottsich auf, um die Menschen zu suchen. Und die Menschen ihrerseits versuchten, je nachEinsicht und Verständnis darauf Antwort zu geben. Das ist der Ursprung der vielen Religionen, nebeneinander und miteinander.»In alten Zeiten gab es zwischen diesen Religionen kaum eine Konfrontation auf der Ebene der Lehre. Anders war das freilich in der katholischen Kirche. Sie verstand sich selbst als den einzigen und wahren Weg zum Heil. Dieses Selbstverständnis beherrschte ihre Haltung und ihre Beziehung gegenüber anderen Religionen.Daher glaubte sie auch, dass die Anhänger anderer Religionen nur durch Bekehrung zum Christentum gerettet werden könnten. Deshalb war die Bekehrung das vorrangige Ziel der christlichen Mission. Aber mit der Zeit erhoben auch andere Weltreligionen den Anspruch, für das Heil der ganzen Welt verantwortlich zu sein. Daraus ergab sich eine wachsende Konfrontation.» (CCFMC, LB 15, A)Einen ersten Versuch, diese Spannungen abzubauen, gab es 1892 in Chicago beim «Weltparlament der Religionen». Dort versuchten Vertreter aller Religionen, «ein gegenseitiges Verständnis zu fördern und den Geist der Partnerschaft unter den Welt-religionen zu pflegen.» Es war zumindest der Anfang eines interreligiösen Dialogs.Einen weiteren Schub brachte das Zweite Vatikanische Konzil, indem es die anderen Religionen als legitime Heilswege anerkannte und damit die Tür öffnete für einen Dialog mit den führenden Weltreligionen. In ihrem neuverstandenen Verhältnis zu anderen Religionen sprach die Kirche nun von «Spuren des Wirkens des Heiligen Geistes auch in anderen Religionen». In der Menschwerdung Gottes entdeckte man grundsätzlich, wie sich Gott zur Menschheit verhält, und zog daraus neue Schlüsse für das Verhältnis der Religionen untereinander. Bei dieser durchaus überraschenden Wende im Denken und Handeln der Kirche spielte Franziskus eine wesentliche Rolle.Wir müssen akzeptieren, dass es die vielen Religionen gibt, und dass alle ihre eigene Weltanschauung haben. Und wir müssen davon ausgehen, «dass die Vielheit der Religionen nicht ein bedauerlicher ‹Unfall› in Gottes Schöpfung ist. Wie auch in der übrigen Schöpfung erst die Komplexität und Vielheit die Schönheit ermöglicht, so ist auch die Vielheit der Religionen der eigentliche Zugang zur Wahrheit im Heilsplan Gottes.» (H. Schalück OFM) Alle Religionen können also aus ihrem Selbstverständnis heraus einen Baustein in das Mosaik der vollen Wahrheit einfügen. Auf diese Weise kann Gemeinsames wachsen aus der Erkenntnis, dass alle Religionen mit ihrem Reichtum und mit ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten Wege sind, dem Unendlichen zu begegnen, und dass alle auf dem Wege sind, um Menschen zu helfen, dass deren Gottesdienst jeweils auch zum Dienst am Menschen wird. Das ist der beste Weg, um zu einem besseren Verständnis der Religionen untereinander zu kommen.Sie alle wollen Antworten geben auf die Sinnfragen des menschlichen Lebens, allerdings mit unterschiedlicher Eindeutigkeit. «Im Judentum, Christentum und Islam, sowie im Buddhismus ist der Anspruch auf letztgültige Wahrheit gegeben. Während im Konfuzianismus die Ahnen als oberste Instanz für das Verhalten und Gelingen der Gemeinschaft gelten, ist es in der jüdisch-christlichen Tradition ein als Person begriffener Gott, sind im Hinduismus einzelne Götter und im Buddhismus die Suche nach dem Einswerden mit dem Kosmos, in den die menschliche Existenz und die menschliche Gemeinschaft eingebettet sind.» (O. Noggler OFM Cap)Wenn Menschen sich in dieser Weise begegnen und sich als Geschöpfe des erhabenen Gottes erfahren, wenn sie sich ihrer Verantwortung vor diesem erhabenen Gott bewusst sind, dem sie zwar unterschiedliche Namen geben oder den sie aus Ehrfurcht und Weisheit gar nicht nennen, werden sie sich nicht mehr gegenseitig töten, sondern zum friedlichen Miteinander bereit sein. Das bleibende Vorbild für diese Haltung ist Franziskus. Seine Begegnung mit dem Sultan ist bis heute ein gültiges Modell eines ehrfürchtigen Dialogs zwischen Gläubigen verschiedener Herkunft.Andreas Müller OFM
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


