Walter Ludin

Was geschah am Karfreitag?

Warum musste Jesus sterben? (Nachdem ich gestern Abend gepredigt habe und in der Osternacht wie auch am Ostersonntag wieder predigen werde, habe ich heute einen predigtfreien Tag. So erlaube ich mir, aus einer meiner alten Karfreitagspredigten zu zitieren.) Warum musste Jesus sterben? Die traditionelle Antwort heisst: «Gott hat seinen Sohn in den Tod gegeben, um die Menschheit mit sich zu versöhnen.» Ein Mann meinte dazu: «Das kommt mir so vor, als wie wenn ich sage: Mein lieber Sohn, ich bin zerstritten mit meinen Nachbarn. Jetzt muss du dich opfern. Dann bin ich mit den Nachbarn wieder versöhnt.» Ein lieber alter Bekannter, Helmut Blasche, der pensionierte Pfarrer von Wien-Schwechat, hat auf diesen Einwand einen guten Vergleich gefunden. Er nimmt das Bild von den zerstrittenen Nachbarn auf: Ich sehe, wie einer meiner mir feindlich gesinnten Nachbarn auf einer Bergtour hilflos an einem Felsvorsprung hängt. Weil mir der Mann trotz allem viel wert ist, sage ich zu meinem Sohn: Schau, ob du ihn retten kannst. Der Sohn rettet den Nachbarn, stürzt aber selber zu Tode. Da kann mir doch niemand sagen, ich hätte den Tod meines Sohnes als Opfer gewollt. Sondern, so betont Blasche: «Ich wollte, dass er den Nachbarn rettet. Dass er dabei ums Leben gekommen ist, ist ein schreckliches Unglück.» —————————————Nur ein Vergleich. Ich meine aber, er trägt viel bei zu einem bessern Verständnis des Geschehens am Karfreitag. Man mag mir widersprechen …

6. April 2012 | 01:16
von Walter Ludin
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