Walter Ludin

Israel-Palästina

Unsere naive einseitige SichtDie Beschäftigung mit Marlènes Buch (s. Rezension von gestern) hat mich dazu gebracht, mich daran zu erinnern, was ich früher vom Konflikt Israel – Palästina mitbekam – oder eben nicht …»«¢ Meine erste Erinnerung: In der Schule erzählte uns die Lehrerin im Bibelunterricht, die Juden hätten seit kurzem wieder einen eigenen Staat (es war etwa fünf Jahre nach der Staatengründung!) Mit Staunen bewunderten wir die Seiten, die sie uns aus einer Zeitschrift über Israel mitgebracht hatte.»«¢ 1962 hatten wir einen Lehrer, der nach Studienabschluss im «Heiligen Land» war. Er habe Dinge gesehen, welche nicht unbedingt zum Ruhme Israels beitrügen. Zum ersten Mal kam unser heiles Bild etwas ins Wanken.»«¢ Doch das Bild wankte nicht endgültig. 1967, während des Sechstagekrieges, waren wir im Noviziat. Wenn im Chorgebet von den «Feinden» Israels die Rede war, wussten wir nun ganz konkret, wer aktuell damit gemeint sei. Und wir beteten voller Inbrunst für die armen Israeli.»«¢ 1967 und in den folgenden Jahren verübten Palästinenser weltweit Terroranschläge. Mit besonderer Betroffenheit verfolgte ich die Entführung eines Flugzeugs, in dem der damalige Caritas-Präsident sass. Nicht nur für mich gab es «die Palästinenser» nur als «Terroristen».«»¢ 1981 wurde ich eingeladen, eine Heilig-Land-Reise spirituell zu begleiten. Es war ein Pilot-Projekt: Erstmals suchte eine Reisegruppe ganz gezielt den Kontakt mit einheimischen (palästinensischen) Christen. Und erlebte eine ganz andere Realität als die gewöhnlichen Gruppen, die meistens von einem israelischen Reiseführer begleitet wurden. (Wir hatten die Ehre, den Palästinenser Naim als Leiter zu haben. Er hatte Papst Paul VI. auf seiner legendären Reise – 1964? – durchs Land begleitet.) «»¢ Allmählich nahm auch eine breitere Öffentlichkeit zur Kenntnis, dass die Palästinenser ein unterdrücktes Volk waren/sind. Politischer Beobachter meinen, dieses Volk habe sich in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit «gebomt», nachdem es während Jahrzehnten völlig ignoriert war.Nun bin ich auf eure Kommentare gespannt; vor allem auch, ob jemand eine ähnliche mentale Entwicklung durchgemacht hat.

21. März 2012 | 01:58
von Walter Ludin
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