Der weiss gekleidete Oberprister ...
… und JesusWeiter im Text von «Kohli» (1. Teil im Blog von gestern…)
Doch Jesus schwieg. Er richtete nur immer wieder seine ruhigen und freundlichen Augen auf die einzelnen Mitglieder des Rates. Die meisten konnten allerdings seinen Blick nicht ertragen und sahen dann weg zum Oberpriester hin. Dieser wunderte sich über das Schweigen des Ungehorsamen. So erhob er sich schließlich dann doch von seinem Stuhl. «Du bist undankbar!» begann er seine Rede. «Habe ich Dich nicht in vielen Büchern ausführlich gewürdigt und den Leuten erklärt, wer du in Wahrheit bist? Habe ich dich nicht immer wieder vor der dreisten Zudringlichkeit des gemeinen Volkes bewahrt? Und meine heiligen Diener von allem Unreinen ferngehalten?» (An dieser Stelle hörte man verhaltenes Räuspern.) «Ganz zu schweigen vom Teufel, der jetzt listig getarnt in dieser glaubenslosen Welt sein Unwesen treibt! Was wärst Du überhaupt ohne mich?»Man merkte, dass es dem Ankläger nicht ganz recht war, wie der Oberpriester in seine Rolle wechselte. Aber er wagte nicht, etwas zu sagen, denn er war von dessen Macht abhängig. Das galt ja für die ganze Versammlung und es war deutlich zu spüren, wie sich alle vor dem Weißgekleideten fürchteten. Sie hatten schon beim Eintreffen dessen Hand geküsst und verharrten stets in einer vor ihm gebückten Haltung. Sah man genau hin, zeigte sich allerdings Merkwürdiges. Die eigentliche Ängstlichkeit schien sich auf eine kleine Gruppe zu beziehen, die um den Oberpriester stand und ihm ständig ins Ohr flüsterte. Und an der Art, wie dieser ihnen eher ratlos zuhörte, entstand der Eindruck, dass sie eigentlich das Kommando an sich gezogen hatten.
Fortsetzung folgt
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