Jesus vor dem katholischen ...
…Hohen RatSchon vor drei Jahren erzählte mir Martha Heizer, sie würde gelegentlich mit einer Gruppe Eucharistie feiern, ohne Priester. Inzwischen hat das TV darüber berichtet – worauf der zuständige Bischof von Innsbruck Martha zu einem Verhör einlud. Ich kenne das Protokoll. Die Fragen sind recht unfreundlich, die Antworten sehr überlegen.Zum Thema hat Herbert Kohlmaier einen fiktiven Bericht geschrieben:In aller Dringlichkeit hatte man den geistlichen Hohen Rat einberufen, denn es ging um eine Anklage gegen Jesus. Er sollte sich des schwersten Vergehens schuldig gemacht haben, das zu ahnden war, nämlich des Ungehorsams. So versammelten sich die Mitglieder, die es sich trotz der gebotenen Eile nicht hatten nehmen lassen, ihre eindrucksvolle Amtskleidung anzulegen. Die Versammlung strahlte in prächtigem Purpur, vor dessen Hintergrund goldene Kreuze blitzten. Nur der Oberpriester erschien, von einer eifrigen Gruppe gestützt, ganz in Weiss. Hob sich der Saum seines Kleides, konnte man allerdings sehen, dass auch seine Schuhe in Rot prangten.Anders der Angeklagte, den man aus seiner Haft im Tabernakel herbeigeholt hatte, seine bescheidene Kleidung stand in einem auffallenden Gegensatz zu jener der Amtsträger. Er musste das Verhör stehend anhören, während der Oberpriester auf einem bereits etwas zerbrechlich wirkenden Sitzmöbel Platz genommen hatte, das die Aufschrift «Stuhl Petri» trug. Vor dem Erscheinen des Angeklagten hatte man noch diskutiert, in welcher Sprache man ihn verhören sollte. An sich verhandelte man stets in Latein, doch wurde von einem der Teilnehmer darauf hingewiesen, dass der Delinquent dieser Sprache wahrscheinlich nicht mächtig sei. So entschloss man sich zum Deutschen, denn es wurde ja auch die Meinung vertreten, man könne annehmen, der Beschuldigte würde aufgrund seiner immerhin beachtlichen Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit dem Gang des Verfahrens folgen können.Mit dem Vortrag der Anklage hatte man einen Dogmatikprofessor in Wien betraut, der sich mit dem Codex Iuris Canonici bewaffnet hatte, welchen er Jesus während seiner Rede auch immer wieder entgegenhielt. Der Vorwurf wurde scharf formuliert. Jesus habe sich ohne Erlaubnis zu Menschen begeben, die ohne Ordination durch den Bischof das Sakrament der Eucharistie simuliert hätten. Da er dabei durch seine Anwesenheit mitgemacht habe, sei er Mittäter und schuldig. Durch ein solches Vorgehen ohne Einschaltung eines Priesters werde «die sakramentale Grundstruktur der katholischen Kirche» verletzt. «Sollten solche Früchte des Ungehorsams Schule machen, wäre die Einheit der Kirche tatsächlich in Gefahr».
Fortsetzung folgt
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