Walter Ludin

Das «Felsenwort»

….bietet kein Rechtfertigung(…)H. Kohlmaier meint weiter im bereits zitierten Text:So zeigt sich, dass das «Felsenwort» beim früheren Markus, auf den sich Matthäus stützt, dort nicht vorkommt, wo das betreffende Gespräch Jesu mit Petrus geschildert wird (8,27-30). Da es unwahrscheinlich ist, dass der erste Evangelist eine so bedeutsame Aussage des Herrn unerwähnt gelassen hätte, ist zu schließen, dass sie später eingefügt wurde.Doch selbst wenn Matthäus tatsächlich Worte Jesu wiedergegeben hätte, könnte daraus keinesfalls eine Ermächtigung abgeleitet werden, das zu errichten, was heute als «Amtskirche» bezeichnet wird. Das griechische «Ekklesia», mit dem der Evangelist das von Jesus (vermeintlich) verwendetem aramäischem Wort ins Griechische übersetzt, bedeutet Versammlung oder auch Gemeinde, aber nicht «Kirche». Da sich das gesamte Wirken des wandernden Rabbi Jehoschua und seiner Schüler im Rahmen des jüdischen Glaubens abspielte, kann keineswegs angenommen werden, dass es bei einer angekündigten Gemeinschaftsbildung um eine andere und neue Religion gehen sollte.(…)Anzunehmen, dass die sich dabei bildenden Dienste (der Presbyter, Diakone und Episkopoi) schon einem Nachfolger des Petrus unterstellt gewesen wären, wäre ganz verfehlt. Diese Sicht ergab sich erst nach Jahrhunderten in Auseinandersetzungen um die Macht, in welchen die Bischöfe Roms einen Vorrang beanspruchten, dem sich auch die weltlichen Fürsten zu unterwerfen hätten. Dazu sollte auch die Berufung auf die Autorität des Apostels dienen.Die Legitimierung der dargestellten unbeschränkter Macht des Kirchenoberhaupts als Nachfolger Petri und Stellvertreter Jesu erweist sich sohin als Geschichtsklitterung. Ihr steht auch gewichtig entgegen, dass Jesus nach seinen glaubwürdig überlieferten Worten bei denen, die ihm folgen sollten, Herrschaftsstrukturen strikt ausschloss (Mt 20,20- 28).Umso mehr muss dies für die Inanspruchnahme unbeschränkter Entscheidungsmacht gelten, die sich auf ihn berufen will! Doch ganz abgesehen davon: In der zunehmend gebildeten und kritischen Gesellschaft unserer Gegenwart ist die Behauptung, Stellvertreter Gottes zu sein, nur noch für eine unbedeutende Minderheit akzeptabel.————————————————————————————- Anlässlich einer Führung durch den Vatikan sahen wir das Bild, auf dem Petrus die Vision der Peterskuppel hat. Dass dies wirklich so geschehen sei, sei denkbar, meinte der Schweizer Gardist, der uns führte. Na ja, ich wusste, dass manche (nicht alle!!) Gardisten in Glaubensdingen und in ihrer Einstellung zum «Heiligen Vater» recht naiv sind.

27. Februar 2012 | 01:43
von Walter Ludin
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