1. Fastensonntag
TierischesErleben Sie mir bitte die saloppe Feststellung: In den heutigen Lesungen geht es tierisch zu und her.»«¢ Das Evangelium erzählt, wie Jesus in der Wüste nicht nur von Engeln, sondern auch von wilden Tieren umgeben war – die ihm offenbar nichts antaten.»«¢ Die 1. Lesung beschreibt den Bund, den Gott nach der Sintflut mit Noah schloss genannt. Dieser Bund – und dies wurde im Verlaufe der Geschichte meistens unterschlagen, gilt auch den Tieren. Weil dieser Bund mit den Tieren so wenig in unserem Bewusstsein ist, wiederhole ich die erste, ausführlichere Stelle:»Ich errichte meinen Bund mit euch und euren Nachkommen, und mit allen Lebewesen, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren der Erde bei euch, mit allem Getier, das mit euch aus der Arche gekommen ist.»Wir nehmen die heutigen Lesungen zum Anlass, über unser Verhalten gegenüber den Tieren nachzudenken. Es fällt mir auf: In den letzten Jahren haben Theologen wie mein Kapuziner-Mitbruder Anton Rotzetter öfters der Kirche vorgeworfen, das Thema Tiere sträflich zu vernachlässigen. Auf der andern Seite gibt es Tierschützer, von denen man den Eindruck hat, Tiere seien ihnen viel wichtiger als die Menschen.Und ich habe Mühe, wenn mir Freunde erzählen, wie sie ihr Haustier für 2000 oder 3000 Franken operieren liessen. Ich denke dann beispielsweise an Afrika, wo ich Spitäler kenne, die für dieses Geld zwei, drei gehbehinderte Kinder erfolgreich operieren könnten.Da stimmen die Verhältnisse doch nicht mehr. Umgekehrt: Die Verhältnisse stimmen ebenso wenig, wenn wir uns die Tierfabriken vorstellen, in denen Schweine oder Hühner in grausam engen Stellen ihr Leben fristen müssen. (….)Immer mehr Menschen meinen heute: Wenn Tiere eine Würde haben, dürfen wir sie nicht töten. Konkret: Wir dürfen kein Fleisch essen. Nun, ich bewundere und schätze jeden Vegetarier. Doch ich kann mich nicht zu einer vegetarischen Lebensweise durchringen. Die Bibel verpflichtet uns auch nicht dazu. Für Jesus und seine Jünger war es ganz selbstverständlich, dass sie sich am Hohen Donnerstag zum Mahl des Lammes versammelten.Doch in den letzten paar Jahrzehnten hat der Fleischkonsum sich verdoppelt oder verdreifacht. Um den Bedarf zu decken, entstanden Tierfabriken. Zwischen Vegetarismus und masslosem Fleischkonsum gibt es einen Mittelweg.Helmut Bartussek von der österreichischen Bundesanstalt für alpenländische Landwirtschaft meint dazu, Fleisch essen sei moralisch vertretbar, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:»«¢ artgerechte Haltung der genutzten Tiere während ihrer ganzen Lebenszeit»«¢ sachgerechte und fürsorgliche Pflege der Tiere»«¢ schonender Umgang beim Transport»«¢ angst- und schmerzfreie Tötung der Tiere.Bruder Anton Rotzetter zitiert diese Voraussetzungen und fügt an: «Dies könnte eine moderne Übersetzung dessen sein, was im Noahbund gemeint ist.»(Inwil SA, 17.30, SO 9.30)
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