Karl Rahner: «Dieselben Sorgen …» – oder: Werden Rhein und Seine in den Tiber fliessen?
Nachdem im Sommer 1962 die ersten Textschemata an die Bischöfe versandt worden sind, wandte sich M.-Dominique Chenu mit der Befürchtung an Karl Rahner, das bevorstehende Konzil werde eine «Operation der Geistespolizei in den geschlossenen Mauern der Schultheologie» sein – sofern es nicht zu einer Gegenbewegung komme. Rahner antwortet umgehend am 13. September: «Ich teile Ihre Sorge und Ihren Schmerz. Die dogmatischen Schemata sind wirklich nicht das, was wir erwartet haben. Sie sind kein Wort an die Welt von heute, sie sind sterile Schultheologie ohne Kraft und Leben, Exzerpte aus Römischen Schulthesen. […] Wir sollten alles tun, um auf dem Konzil enge Kontakte zwischen den deutschen und französischen Theologen zu finden. Wir haben dieselben Anliegen und dieselben Sorgen.» Was auf dem Konzil dann geschah, ist bekannt. Es wurde in ein bekanntes Bonmot gefasst, das nur in geographischer Hinsicht unsinnig erscheint: Rhein und Seine flossen in den Tiber.(Christian Bauer; Zitate aus: Ch 57f; Rahner, Karl: Brief an M.-Dominique Chenu. Einseitiger maschinenschriftlicher Brief vom 13. September 1962; Archives-Chenu/Paris)Wir gratulieren unserem Autor Christian Bauer zu seiner Ernennung als Professor für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck auf 1.9.2012.
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