Sprachsünden
Wer buk den Bundesrat?(Diese Glosse schrieb ich am Tag nach der Bundesratswahl. Umständehalber erscheint sie hier erst heute.)Am Abend nach den Wahlen unter der Bundeskuppel geisterte ein «frisch gebackener Bundesrat» durch die Tagesschau. Ich frage mich, wer ihn buk. Jemand, dem das adventliche Guetzeln zu langweilig wurde? Auch in einer andern Küche oder Backstube herrschte nach der gleichen Quelle fast gleichzeitig Betriebsamkeit. Dort wurde die neue Bundespräsidentin als Grossmutter frisch gebacken. Es gibt allerdings Gründe, an den beiden Meldungen zu zweifeln. Denn niemand sah am Bildschirm wie ein Grittibänz aus.Am gleichen Morgen befassten wir uns am Frühstückstisch mit anderen sprachlichen Problemen. Ein Romand, der noch nicht lange in der Deutschschweiz ist, mokierte sich über das Adventslied mit Marias «Herzenskämmerlein». Begreiflich, denn er ist nicht mit romantischer oder barocker deutscher Poesie aufgewachsen. So steht zu vermuten, dass ihm das genannte Wort bald einmal nicht mehr auffällt.An einen anderen Begriff wird er sich wohl kaum gewöhnen: an das «süsse Holz» des Kreuzes, das in der Karwoche besingen wird. Da möchte er am liebsten aufschreien: «Hört auf, das grauenhafte Leiden Jesu zu verkitschen und zu verharmlosen!» Nun, vielleicht müsste er gelassener werden und das Stossgebet verrichten: «Herr, verzeihe ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie singen.»
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


