Dem Mann kann geholfen werden
Die Last des Papstes«Kein vernünftiger Mensch will Bischof werden.» So sagte vor Jahrzehnten ein brasilianischer Kardinal während eines deutschen Katholikentages. Ich zitierte ihn in meinem Bericht. Kurz darf wurde Otto Wüst Diözesanbischof von Basel und zitierte mein Zitat an seiner ersten Medienkonferenz.Er und seine Nachfolger spürten offensichtlich die Last ihres Amtes. Einer von ihnen war dauernd so gebückt, so dass jemand, der auch nur eine kleine Ahnung von der antiken Mythologie hatte, unweigerlich an Atlas denken musste; an jene Gestalt, die den Himmel – oder in einer andern Version – die Erdkugel auf seinen Schultern trug.Wenn ein «gewöhnlicher» Bischof schon so schwere Lasten tragen muss, wie muss es dann dem «Bischof aller Bischöfe» gehen, den wir Papst nennen? Er trägt (!) die Verantwortung für 2945 Diözesen. Unvorstellbar, diese Last!Zu allem Überfluss muss Papst Benedikt XVI. gemäss neueren Medienberichten noch eine ganz andere Last tragen: nämlich seine feierlichen Messgewänder, die nach gut unterrichteter Quelle «aus schweren Textilien» bestehen. Darum muss man sich nicht wundern, dass der 84-Jährige für nicht ganz kurze Strecken sich einer fahrbaren Plattform bedient.Vielleicht gäbe es wenigstens für die letztgenannte Belastung eine Lösung: sich von allzu schweren Prunkgewändern trennen! Es täte überdies dem leicht verstaubten Image des Papstes gut. Und auch für andere bischöfliche und päpstliche Belastungen wäre ein Patentrezept denkbar: Kompetenzen abgeben! Auch dies wäre nicht nur für die Würden-Träger heilsam.(Erschien im KIPA-Dienst in der Rubrik «Seitenschiff»)
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