Selbstbewusstsein ..
… stört VatikanF.X. Kaufmann schreibt weiter: Seit dem Ende des Staatskirchentums 1918 und erst recht seit der Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland 1945 ergeben sich hierzulande (d. h. in Deutschland, aber auch in der Schweiz; wlu) strukturell große Ähnlichkeiten zwischen evangelischer und katholischer Kirche, die durch das Staatskirchenrecht gefördert werden. Aufgrund der Erfahrungen im Dritten Reich hat sich hier eine ökumenische Bewegung gebildet. Hinzu kommt die starke Stellung der Universitätstheologie beider Konfessionen, welche infolge ihrer staatlichen Finanzierung im Vergleich zu anderen Ländern kirchlichen Kontrollansprüchen weniger zugänglich ist. Es ist daher soziologisch wahrscheinlich, dass sich die Einstellungen zwischen den Bekenntnissen angleichen.Wenn man diese Verhältnisse aus vatikanischer Sicht betrachtet, sind sie zunächst theologisch und kirchenrechtlich unbequem und vor allem mentalitätsmäßig fremd. Das starke Selbstbewusstsein der Deutschen und Schweizer, zudem mit Sonderrechten bezüglich der Bischofsernennungen ausgestattet, passt nicht in das hierarchische Denkmodell. Die starke Volksfrömmigkeit, gepaart mit hoher Papstloyalität, hat dies für ein Jahrhundert seit dem Ersten Vatikanischen Konzil überdeckt. Doch seit die antiautoritäre Bewegung vornehmlich im evangelischen Deutschland für eine Kulturrevolution gesorgt hat, beginnt es auch unter Katholiken zu brodeln. ——————-Kollegen, die in Rom studierten, mussten sich die Frage gefallen: «Seid ihr in der Schweiz eigentlich noch katholisch?» Eine gute Frage, wenn man römisch mit kath. verwechselt….
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