Die Macht ...
… der KurieNaive Katholiken meinen, also, was von Rom kommt, sei sozusagen vom Heiligen Geist direkt dem «Heiligen Vater» eingegeben worden. Ich weiss, ich übertreibe; aber nicht allzu sehr …..Dazu nochmals Franz Xaver Kaufmann (dessen Bruder Ludwig übrigens zu den besten Schweizer Kennern des Vatikans gehört hat ….)
Es ist sehr bedauerlich, dass sich die katholische Theologie bisher kaum mit der päpstlichen Kurie als eigenständigem Handlungszentrum der Kirche befasst hat. Das Leben im Verborgenen ist eine der größten Machtquellen jener vatikanischen Verwaltungsbehörden. Offiziell ist die Kurie ein Hilfsorgan des Papstes. Alles was von dort ausgeht, geschieht im Namen des Papstes als dem souveränen und nur Gott verantwortlichen Leiter der Kirche. Eine bemerkenswerte und faire Studie dazu hat der Jesuit und amerikanische Politikwissenschaftler Thomas J. Reese verfasst: «Im Inneren des Vatikan» (Frankfurt/Main 1998). Es wird deutlich, wie komplex dieses Gebilde ist, wie sehr es dem Aufbau von Machtpositionen einzelner Kardinäle Vorschub leistet und wie unmöglich es für einen Papst ist, seine Kurie selbst zu leiten. Man wird an die schon von Hegel analysierte Dialektik von Herr und Knecht erinnert: Beide sind voneinander abhängig.Zwar bleibt es den Päpsten überlassen, bestimmte Angelegenheiten an sich zu ziehen. Nicht selten trafen sie so Entscheidungen von kirchenhistorischer Bedeutung. Man denke etwa an die Ankündigung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch Johannes XXIII. Aber auch die von Benedikt XVI. nunmehr verfügte Zusammenarbeit kirchlicher und staatlicher Behörden bei der Verfolgung sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen im Raum seiner Kirche verdient die Qualifizierung als historisch, weil damit die herkömmliche Beanspruchung des jus fori, der exklusiven Gerichtsbarkeit der Kirche über ihre Kleriker, außer Kraft gesetzt wurde.Aber solche eigenständigen Handlungen des Papstes müssen schon deshalb die Ausnahme bleiben, weil auch er nur ein Mensch mit einer Arbeitszeit von höchstens vierzehn Stunden täglich ist und solche Beanspruchung wohl auch nicht lange durchhalten würde. Längst nicht alle vatikanischen Entscheidungen gehen über den Schreibtisch des Papstes. Das Meiste davon muss schon aus Zeitgründen abgenickt werden. Die Kurie selbst ist zwar vielfältig intern vernetzt, zum Teil auch nach außen. Sie kennt aber keine klaren Strukturen der Zuständigkeit und nur bescheidene Instrumente interner Zusammenarbeit. Die meisten Bischöfe der Weltkirche kennen sich da nicht aus und erfahren sich deshalb als Bittsteller und Kontrollierte. Vor allem die Nuntiaturen, also die diplomatischen Vertretungen des Heiligen Stuhls, bilden den verlängerten Arm des Vatikans in der Weltkirche. Ihnen kommt bei der Ernennung von Bischöfen zentrale Bedeutung zu. Fortsetzung folgt
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


