Konzilsblogteam

Ein vorfabriziertes Konzil?

Zu den Ungewissheiten vor dem Konzil gehört auch die Frage seiner Dauer und der Art und Weise seines Verlaufs. Auf der ersten Pressekonferenz zum Konzil Ende Oktober 1959 – es war zugleich die erste Pressekonferenz des Apostolischen Stuhles in der Geschichte – stellte Generalstaatssekretär Kardinal Tardini seine Vorstellungen über den möglichen Konzilsablauf dar: «Den Befürchtungen einiger Bischöfe, das Konzil würde sie für zu lange Zeit von ihren Diözesen fernhalten, könne begegnet werden, wenn ein grosser Teil der Arbeit durch Korrespondenz erledigt würde. In Rom werde von einer der Kommissionen ein Text erarbeitet und den Bischöfen zugleitet. Dann würden ihre Reaktionen gesammelt und der Text überarbeitet oder ersetzt. Wenn die Bischöfe zum Konzil zusammenkämen, könnten sie dann über einen bereits überarbeiteten Text abstimmen, zu dem ihre allgemeinen Ansichten schon bekannt waren» (A 1,369). In einem Brief von J. Hamer an Y. Congar vom 7. November 1959 heisst es: «Es ist der Wunsch des Papstes, dass die schriftliche Vorbereitung so weit vorangetrieben wird, dass die eigentlichen Konzilssitzungen nicht mehr allzuviel Zeit in Anspruch nehmen und die Bischöfe nicht allzulange von ihren Diözesen ferngehalten werden». Randnotiz von Y. Congar an dieser Stelle des Briefes: «Das ist ein vorfabriziertes Konzil! Es handelt sich um dieselbe Vorgehensweise wie hinsichtlich der Dogmen der unbefleckten Empfängnis und der Aufnahme Mariens in den Himmel. Das wäre kein echtes Konzil!» (A 1, 369 zus. mit Anm. 552).Es wird sich bald zeigen, dass das Konzil ein echtes sein und deswegen auch Zeit in Anspruch nehmen wird.(Sabine Demel)

26. September 2012 | 00:03
von Konzilsblogteam
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