P. de Lubac und Teilhard de Chardin
P. Henri de Lubac SJ tritt mit einer doppelten Aufgabe der Verteidigung in die Konzilsvorbereitungen ein. Als Berater der vorbereitenden Theologischen Kommission ist er mit einem Text über Offenbarung und Glaube konfrontiert, mit dem das Konzil faktisch – ohne seinen Namen zu nennen – ihn selbst (bzw. eine verfälschende Lesart seiner Theologie) verurteilen würde. Lubac irritiert vor allem die Leichtfertigkeit, mit der eine solche Verurteilung in der Kommission betrieben wird. «Da ist eine Leichtfertigkeit des Geistes, die mich sprachlos macht. Diese Menschen, die damit beauftragt sind, die Lehrtexte eines ökumenischen Konzils vorzubereiten, verlangen keine Beweise, überprüfen nichts, suchen nicht einmal sich zu informieren» (Lu 1,37). Noch nach Konzilsbeginn kommt Lubac zu Ohren, dass ein Mitglied des Heiligen Offiziums zum Beweis für die Weitherzigkeit der heiligen Kirche anführt, diese habe zum Konzil sogar gewisse Opponenten eingeladen, so etwa P. de Lubac (Lu 1,127).P. Teilhard de ChardinZur gleichen Zeit engagiert sich Lubac, um eine weitere Verurteilung von P. Pierre Teilhard de Chardin SJ zu verhindern. Dessen Name ist im Konzilstagebuch Lubacs allgegenwärtig. Erleichtert hört er im September 1961 von P. Tromp, dass eine entsprechend Passage fallengelassen wird (Lu 1,33), muss aber später feststellen, dass die Invektiven gegen Teilhard weiter aufrechterhalten werden. 1962 erscheint sein Buch «La Pensée religieuse du Père Pierre Teilhard de Chardin», das manche gern auf dem Index sehen würden. Ein Monitum des Heiligen Offiziums vom 30. Juni 1962 warnt vor den Gefahren des Werkes von Teilhard und seinen Schülern, womit auch Lubac gemeint ist. Im Tagebucheintrag zum 7. Oktober 1962 macht Lubac sich Hoffnung, dass mit der Verärgerung von Papst Johannes XXIII. über das Monitum ein Schlusspunkt gesetzt ist und die Parteigänger einer Verurteilung von Teilhard nun endlich gescheitert sind (Lu 1,90). Zwar werden die Querelen andauern, doch Teilhards Denken wird schliesslich positiven Einfluss auf das Konzil ausüben.(emf)
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