Tagsatzung für die ganze Schweiz
Ein neu-alter VereinIch hatte die Ehre, in der Vorbereitungsgruppe der 1. Tagsatzung im Bistum Basel zu sein und als Info-Chef zu wirken (Luzern, 1998). Die Aufgabe war anspruchsvoll. Wir mussten alles ohne jegliche Vorgaben neu konzipieren. Auch bei den nächsten Tagsatzungen war ich dabei. Inzwischen hatte sich unser Bischof KuKo von uns distanziert. Ich musste dies in verschiedenen kleineren und grössen Radio- und Pressebeiträgen der Öffentlichkeit mitteilen – und wurde zu einem «Lieblingsfeind» des Bischofs (den ich seit 1972 kenne und zu dem ich gute Beziehungen hatte, u.a. als wohlwollender Rezensent seiner Bücher …)Am vergangenen Samstag hat sich die Tagsatzung entschlossen, künftig über die Grenzen unseres Bistums hinaus zu wirken. Hier mein KIPA-Bericht:
Der Verein Tagsatzung im Bistum Basel beschloss am Samstag, seine Tätigkeit auf die ganze Schweiz auszuweiten. An seiner Generalversammlung in der Stadt Basel gab er sich deshalb den Namen tagsatzung.ch. Neuer Präsident wurde der Kapuziner Adrian Müller.Die abtretende Präsidentin Brigitte Durrer beklagte in ihrem Jahresbericht die Reformunfähigkeit der Kirche. Getreu ihrem Stichwort «trotzdem» werde die Tagsatzung in dieser Situation den selbstverantworteten Glauben fördern sowie auf kreatives Miteinander und auf die Solidarität mit allen Aufbruchbewegten setzen.Neuer-alter NameDer Verein Tagsatzung im Bistum Basel zählt nach wie vor 85 Kollektiv- und 261 Einzelmitglieder. Seit zwei Jahren sucht er nach neuen Strukturen, um auch Reformwillige anderer Diözesen einzubeziehen. In einer Umfrage unter 600 Personen sprachen sich 80 Prozent der Antwortenden für eine solche Ausweitung aus. 95 Prozent wünschten kirchenpolitische Aktivitäten, welche auch Fragen der Weltkirche betreffen. Und 97 Prozent wollen Vernetzungen mit ähnlich ausgerichteten Organisationen auf regionaler, diözesaner, nationaler und internationaler Ebene.Im Zug der Neustrukturierung des Vereins gab die Frage nach seinem künftigen Namen viel zu reden. In der erwähnten Umfrage sprachen sich 55 Prozent für den bisherigen Namen aus, der nun modifiziert wird in «tagsatzung.ch».Keine NeugründungDie gut 40 in Basel versammelten Vereinsmitglieder nahmen Kenntnis vom Leitbild, das mit den Worten beginnt: «Der Verein tagsatzung.ch inspiriert sich an der befreienden Lebenspraxis Jesu Christi. Er bringt christlichen Glauben und christliche Praxis in die Gesellschaft ein und bezieht kirchenpolitisch Stellung.»In den revidierten Statuten wird darauf hingewiesen, tagsatung.ch verstehe sich nicht als Neugründung, sondern als Fortsetzung des bestehenden Vereins mit erweiterter Zweckbestimmung.Arbeitsgruppen der ReformbewegungUnter der Leitung des Vorstandes werden unter dem Dach der Tagsatzung territoriale und thematische Arbeitsgruppen die Ziele der Reformbewegung verfolgen. Fast 100 Personen sagten in den Antworten zur Umfrage ihre Bereitschaft zu punktuellen Einsätzen zu. Im Bistum Basel wird die bisherige Präsidentin Brigitte Durrer dafür sorgen, dass es hier eine territoriale Arbeitsgruppe gibt. Im Bistum St. Gallen machte sich bereits das neu gewählte Vorstandsmitglied Rolf Haag auf die Suche nach Engagierten. Auch im Bistum Chur zeichnet sich das Interesse an einer gesamtdiözesanen Arbeitsgruppe ab.In den Westschweizer Diözesen gibt es zurzeit nur wenig Ansätze zu einer Vernetzung im Rahmen von tagsatzung.ch, die sich grundsätzlich nicht bloss als Deutschschweizer Projekt versteht.Abschied nach 15 JahrenBrigitte Durrer wurde in Basel als Präsidentin der Tagsatzung verabschiedet. Sie war bereits in der Vorbereitungsgruppe der ersten Tagsatzung von 1998 in Luzern. Seit zehn Jahren stand sie an der Spitze des Vereins. In ihrer Abschiedsansprache meinte sie: «Es ist enorm wichtig, dass Reformanliegen immer wieder zur Sprache kommen.» Die Versammlung wählte einstimmig den 46jährigen Kapuziner Adrian «Ädu» Müller zum neuen Präsidenten von tagsatzung.ch.GleichstellungsinitiativeIm Anschluss an die Generalversammlung liess sich der Verein von drei Initianten der «Kirchlichen Gleichstellungsinitiative» beider Basel über ihre Ziele informieren. Die Initiative will die Behörden der Landeskirchen verpflichten, «darauf hinzuwirken, dass die Römisch-Katholische Kirche die gleichberechtigte Zulassung – unabhängig von Zivilstand und Geschlecht – zum Priesteramt ermöglicht».Im Internet: www.tagsatzung.ch
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