Walter Ludin

Nochmals: Reformer

Wo Energien nicht vergeudet sindDie Fortsetzung des gestern zitierten Textes von J. Röser ist etwas weniger pessimistisch:
Das heißt allerdings nicht zwingend, dass die reformerische Geisteskraft erlischt. Es bedeutet nur – auch dafür gibt es Anzeichen -, dass sie sich in eine andere Richtung wendet, weg von der Kirche innen nach draußen. Viele Reformkatholiken sind inzwischen in der Bewegung für eine gerechtere Globalisierung tätig, gegen Armut, Krieg, Todesstrafe, Umweltvergiftung, Klimazerstörung und so weiter. Ihre Energien möchten diese recht wertkonservativ Glaubenden lieber dort einsetzen, wo ihre kreativen Ideen und Anstrengungen nicht vergeudet werden wie in der Kirche. In Deutschland ist ein Beleg für diese Tendenz, dass sich etliche der einst innerkirchlich engagierten jüngeren Leute mittlerweile in der Grünen-Bewegung beheimatet fühlen, wo sie ihre Innovationsleistungen besser gewürdigt sehen.
Allen nennt als Beleg für seine Hypothese die weltweit tätige, inzwischen in vielen «Ablegern» präsente römische Basisgemeinschaft Sant’Egidio. Sie wurde nach dem Konzil «während des liberalisierenden Aufbruchs von progressiven Katholiken gegründet…, die die Kirche nicht verlassen wollten. Statt sich auf Kämpfe innerhalb des Katholizismus einzulassen, entschied man sich in Sant’Egidio dafür, sich auf die Mission der Kirche ad extra zu konzentrieren: Man kümmerte sich um die Armen, wurde gegen die Todesstrafe aktiv, fand Strategien zur Friedensstiftung und Konfliktlösung und bemühte sich um den ökumenischen und interreligiösen Dialog. Im Unterschied zu anderen progressiven Bewegungen, die verfielen, gedieh Sant’Egidio. Im 21. Jahrhundert werden Bewegungen wie Sant’Egidio die Zukunft des liberalen katholischen Aktivismus sein», sagt der Journalist voraus. Auf diese Weise könnten die Reformkräfte andernorts überleben und später eventuell eine innerkirchliche Renaissance erfahren.
————————————-Man lese dazu den Kommentar von Fritz P. zu meinem Blog von gestern.Betr. S. Egidio: Ich war mehrmals bei ihnen in Rom zu Gast und bekam einen sehr guten Eindruck. Wenn doch alle neuen «Bewegungen» so produktiv und weltnah wären …. Dennoch: Es braucht auch Kämpfer «im Innenbereich der Kirche». Die Kirche ist zu wichtig, als dass man sie der Kirchenleitung überlassen dürfte…………………

7. August 2011 | 01:46
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!