Konzilsblogteam

Verwirrliche Texte

Papst Johannes XXIII., wiewohl von verschiedenen Seiten wegen der unzureichenden Qualität der Konzilsvorlagen angegangen, stimmt am 13. Juli 1962 der Versendung von sieben Schemata an die Bischöfe zu. Die sieben Dokumente waren ihm erst am 10. Juli 1962 von Mgr. Pericle Felici zugestellt worden – eine eingehende Prüfung dürfte also kaum stattgefunden haben; allerdings dürfte ihm der Charakter der Texte durchaus bewusst gewesen sein.Ende Juli zieht sich Papst Johannes XXIII. nach Castel Gandolfo zurück und studiert dort die Textentwürfe genauer. Léon Joseph Kardinal Suenens besucht ihn dort und berichtet: «Er war damit beschäftigt, die Abzüge der Vorbereitungstexte, die dem Konzil vorgelegt werden sollten, zu lesen. Er äusserte sich vor mir gegen ihre Länge und ihre zu abstrakten Überlegungen, gegenläufig zum pastoralen Ziel des Konzils. Mit einem halb-komischen, halb-ernsten Lächeln sagte er wiederholt: ‹O questi professori!› ‹Oh, diese Professoren!›» (Su 89).In einem Brief äussert sich Papst Johannes XXIII. über das Ökumene-Schema «Ut omnes unum sint»: «Und überhaupt, diese Art, einen Entwurf von Begriffen und Grundsätzen elementarer Art mit biblischen Sätzen zu garnieren, mit flinken Schriftzitaten, die auch für andere als die diskutierten Themen verwendet werden können, ruft Verwirrung hervor bei den einfachen Gemütern durchschnittlicher Aufnahmefähigkeit, die doch die Mehrheit der guten Christen bilden» (zit. A 1,489). In derselben Zeit bereitet er die Eröffnungsrede für das Konzil vor, mit der er seine Anliegen unmissverständlich verdeutlichen wird.(emf)

1. September 2012 | 01:45
von Konzilsblogteam
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