Karl Rahner: «Hoffen kann man vorsichtig»
Kurz vor Pfingsten 1962 war Karl Rahner, der als Konzilsberater für den Wiener Kardinal König tätig werden sollte, wegen verschiedener Äusserungen zum theologischen Reformbedarf in der Katholischen Kirche unter römische Zensur gestellt worden. Er schreibt am 26. August 1962 in einem Brief an Kardinal König nach Wien:
«Gestern abend kam ich von Hannover zurück. Es ist dort alles, glaube ich, ganz gut gegangen. Kardinal Döpfner war in meinem Vortrag vor ca. 800 (schätze ich) Geistlichen und hat nachher sich sehr anerkennend geäussert. […] Der General hat mir nach Hannover telegrafiert: tomus quintus edi potest [damit ist Bd. 5 des dogmatischen Standardwerks ‹Mysterium Salutis› gemeint; C.C.] Das ist also in Butter. Ob das schon von dem Beagespräch mit dem Papst kommt, in dem dieser versprach, (Wege zu finden), um die Eminenzen und mich zufrieden zu stellen, weiss ich nicht. Eine wirkliche Entscheidung in der Zensurgeschichte habe ich noch nicht. Hoffen kann man vorsichtig. Bea war auch in Hannover. Wir haben uns vorsichtig freundlich ein wenig unterhalten, ohne etwas Wesentliches zu sagen» (München, 26.8.62)
(Christian Cebulj, vgl. Orientierung 48 [Nr. 13/14, 1984] 156)
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