Wünsche an den Papst
Die Themen liegen auf der Straße(Der Blog der Berliner Jesuiten: http://nacktesohlen.wordpress.com/ beschäftigt sich intensiv mit Themen, die beim Papstbesuch im kommenden September in Berlin zur Sprache kommen sollten. Er enthält einiges an Brisanz, durchaus auch für Helvetien von Bedeutung:)
Der Terminplan für den Besuch von Papst Benedikt in Berlin liegt nun fest. Zeit also, dass sich in unsere Vorfreude auf den Besuch die Frage mischen kann, um welche Themen es beim Papstbesuch in Berlin gehen könnte, und welche Wünsche und Hoffnungen wir mit ihnen verbinden. Wir blicken dabei auf den Verlauf des Programms, gleichsam auf die Straßen von Berlin: Welche Themen werden vor aller Augen sichtbar sein, wenn der Papst die Stadt betritt?1) Papst Benedikt wird in Berlin von einem Bundespräsidenten begrüßt werden, der katholisch, geschieden und wiederverheiratet ist. Die katholische Kirche hat bis heute keinen Weg gefunden, wie sie mit dem Scheitern von Ehen und Neuanfängen umgehen kann, außer den der Exkommunikation. Was dies für viele Familien und deren Kinder bedeutet – gerade für diejenigen, die sich der Kirche und ihrer Lehre einschließlich der Bedeutung von Ehe und Kommunionsgemeinschaft verbunden wissen – kommt nach unserem Eindruck immer weniger bei den Verantwortlichen für die Pastoral an. Wir wünschen uns ein befreiendes Wort, das auch wiederverheirateten Geschiedenen den Zugang zur Kommunion neu eröffnet.2) Papst B. wird sich in das goldene Buch der Stadt eintragen. Neben ihm wird ein schwuler und zugleich katholischer Bürgermeister der Stadt stehen. Die Schwulen- und Lesbenverbände in Berlin haben im Vorfeld des Papstbesuches bereits zu Protestaktionen und Demonstrationen aufgerufen. Wir schlagen vor, dass die Kirche diese Ankündigungen zum Anlass nimmt, homosexuellen Männern und Frauen zuzuhören, um ihren Zorn und ihren Schmerz über die Kirche besser verstehen zu lernen.3) Papst Benedikt wird vor dem Deutschen Bundestag in Berlin sprechen. Damit steht die Frage an, wie sich die katholische Kirche, vertreten durch ihr Oberhaupt, gegenüber den politischen Repräsentanten des Landes positionieren wird. Wird sie sich vornehmlich in einem beratenden, lobenden oder mahnenden Gegenüber aufstellen? Wir hoffen auf eine katholische Kirche vor dem deutschen Bundestag, die auch ihre eigene Armut kennt und bekennt, wenn sie zugleich ihrem Auftrag nachkommt, in den Konflikten und Nöten unserer Zeit Stellung zu nehmen: Die Schere zwischen Armen und Reichen, Verantwortung heute gegenüber den Generationen morgen, Gewalt gegen Frauen, Kinderrechte, Völkerwanderung und Flüchtlingsströme, Selektion des menschlichen Lebens, Arroganz der Macht und des Geldes.(Fortsetzung übermorgen)
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