Walter Ludin

Wir und die Muslime (1)

«Islamgegner: Liberaler Rassismus»Unter diesem Titel veröffentlichte Carolin Emcke in der ZEIT vor fast anderhalb Jahren einen bemerkenswerten Artikel, für den sie kürzlich einen wichtigen Journalistenpreis bekam. Es lohnt sich, sich mit ihren provozierenden Thesen auseinanderzusetzen. Wie hier gewohnt «häppchenweise»:Die Gegner des Islams tun so, als würden sie Aufklärung und Moderne verteidigen. In Wahrheit predigen sie den FremdenhassVon dem afroamerikanischen Komiker und Entertainer Bert Williams stammt der Satz: »Es ist keine Schande, schwarz zu sein. Aber es ist enorm ungünstig.« Dieser Tage gilt: Es ist keine Schande, Muslim in Europa zu sein, aber es ist enorm uMuslime im Singular scheint es nicht mehr zu geben. Sie sind als Individuen unsichtbar, als Leute, denen ihre Mitgliedschaft im lokalen Fußballverein oder ihre Arbeit als Krankenpfleger wichtiger sein könnte als ihre Herkunft aus Bosnien oder Afghanistan. Muslime gibt es gegenwärtig selten als Lehrer oder Schlosser, als Liebhaber von Neil Young oder Munir Bashir, Muslime gibt es selten als gläubig und schwul, als Atheisten oder Opelaner – nicht weil es sie nicht gäbe, sondern weil sie so nicht mehr wahrgenommen werden. —————-

26. Mai 2011 | 01:02
von Walter Ludin
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