Konzilsblogteam

Das Unbehagen über die Vorbereitungstexte

Noch bis in den Sommer 1962 hinein ist unklar, wie die Agenda des Konzils aussehen würde und welche Texte zur Beratung vorgelegt werden sollten. Im März 1962 beklagt Léon Joseph Kardinal Suenens die (zu hohe) Zahl und die (mangelnde) Qualität der erarbeiteten Vorlagen. 80% seien für die konziliaren Beratungen nicht brauchbar. Ähnlich äussern sich andere Mitglieder der zentralen Vorbereitungskommission. Selbst deren Sekretär Pericle Felici verteidigt zwar die geleistete Arbeit, teilt aber die Bedenken über die Qualität der Texte.Papst Johannes XXIII. ermutigt Suenens zur Ausarbeitung eines Plans. Dessen im Mai 1962 vorgelegtes Konzept schlägt vor, die Konzilsarbeit mit einem Text «De Ecclesiae Christi mysterio» [Vom Geheimnis der Kirche Christi] zu beginnen, mit Dokumenten über die «Ecclesia ad intra» [Kirche nach innen: binnenkirchliche Fragestellungen wie die Ämter oder die Liturgie] fortzufahren und mit einem Text über die «Ecclesia ad extra» [Kirche nach aussen: Verhältnis zur Welt, Haltung zu gesellschaftlichen Fragen] zu schliessen.Die Initiative von Suenens wird zwar von anderen unterstützt, doch läuft sie (zunächst) ins Leere. Der Versand von Konzilsvorlagen wird auf eine Initiative von Felici hin im Juli 1962 eingeleitet. Jedoch übernimmt Papst Johannes XXIII. in seiner Radioansprache vom 11. September 1962 Suenens› Unterscheidung der Kirche «ad intra» und «ad extra», die in der Konzilsaula eine bedeutende Rolle spielen wird. Im März 1963 sagt Papst Johannes XXIII. Suenens in einer Audienz: «Sie haben mir ganz zu Anfang sehr erhellende Ideen zum Konzil gegeben, doch danach hat man sich in einer schönen Unordnung an die Arbeit gemacht. Nun, ich habe besonders geschätzt, dass Sie zu diesem Zeitpunkt Ihre Ideen nicht forciert zur Geltung gebracht haben: es war nicht der richtige Moment dafür. Ich habe das sehr bewundert. Es ehrt Sie, dass Sie die Dinge nicht erzwingen wollten. Nun ist der Moment gekommen, da der Plan angenommen worden ist» (Su 93).(emf; vgl. Komonchak in A 1,383-390; Su 65-80)

21. August 2012 | 06:35
von Konzilsblogteam
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!