Walter Ludin

Ethischer Konsum (I.)

Und Handlungshindernisse
(Wer meinen Blog liest, weiss: Der Schwerpunkt liegt zwar bei der Kirchenreform. Doch auch andere Aspekte sollen zur Sprache kommen, vor allem auch im Bereich von Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung/GFS. So zitiere ich hier aus einem Artikel von Franz Hochstrasser. Wir waren vor 50 Jahren auf der gleichen Schule/Mittelschule, Untergymnasium Sursee)
Ethischer Konsum zeichnet sich (idealtypisch) durch eine Reihe verschiedenerMerkmale aus; ethisch Konsumierende- überwinden den in der kapitalistischen Ökonomie wegleitenden Eigennutzen undstreben nach Verhältnissen, in denen soziale und Verteilungsgerechtigkeitgegeben sind.– Sie verzichten auf das der kapitalistischen Ökonomie zugrunde liegende Wachstumsprinzip;ihnen reicht das Genug.– Sie lassen den Individualismus hinter sich und nehmen die Folgen ihres Konsumsfür die andern Menschen in den Blick.– Sie setzen auf soziale und ökologische NachhaltigkeitSie orientieren sich an ethischen Normen und beteiligen sich an der Formulierungvon Normen, welche die genannten Merkmale sozial verbindlich gestalten.Sie übernehmen Verantwortung, selbst für erst in Zukunft lebende Menschen(vgl. Jonas 1984, 1993).
Auch diese differenzierenden Beschreibungen sind zustimmungsfähig, aber vielleichtprovozieren sie den Einwurf, die Ansprüche seien recht hoch gesteckt. Demmöchte ich nachgehen.
Ein starkes Handlungshindernis besteht darin, dass wir die Brücke zwischenWissen und Handeln oft nicht zu bauen vermögen. Wir verfügen über mehr alshinreichendes Wissen, das uns unter ethischen Gesichtspunkten zum Handelnführen müsste. Doch die praktische Umsetzung findet nicht oder kaum statt. Dafürgibt es mehrere Gründe. Einer liegt in der Beschaffenheit von grossen Teilen desGewussten: Es ist oft zusammenhangslos und wird allzu oft durch die Medien alsKleinklein-Informationsware versprüht, die aus Konkurrenzgründen möglichstskandalisierend daherkommt. Die Lernpsychologie spricht von «trägem Wissen»,das nicht in Handlungsbezüge transferierbar ist.Fortsetzung folgt

16. April 2011 | 01:35
von Walter Ludin
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