Gegen Priestermangel
Ausländische Priester: zukunftsfähig?Es gibt sie durchaus: Ausländische Priester, die hierzulande als beliebte, kompetente Pfarrer wirken. Dennoch überrascht der Befund nicht, den kürzlich eine wissenschaftliche Untersuchung in Deutschland ergeben hat: Im Allgemeinen ist ihr Einsatz nicht zukunftsfähig.Mit den Worten von Norbert Kössmeier, Chefredaktor der Zeitschrift «Forum Weltkirche» (Verlag Herder): «Es dürfte wohl nicht überraschen, wenn die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass der systematische und längerfristige Einsatz ausländischer Priester in Deutschland nicht dazu in der Lage ist, das drängende Problem des Priestermangels in Deutschland zu beheben.» Es lässt sich sicher hinzufügen: «… und in der Schweiz».Problematisch sind vor allem die sprachlichen Defizite der ausländischen Priester; wobei die Pfarreien eher darunter leiden als die ausländischen priesterlichen «Gastarbeiter». Ebenso ist das unterschiedliche Kirchen- und Priesterbild eine Hemmschwelle. Stark vertreten ist der Typus des «zeitlosen Klerikers» (Zulehner), der als «Repräsentant Christi» der Gemeinde gegenübersteht, statt sich als Teil von ihr zu verstehen und sich mit ihr auf den Weg zu machen.Nur am Rande ein eher überraschender Befund: Priester, die aus armen Regionen Indiens und Afrikas kommen, liegt der Einsatz für die Armen viel weniger am Herzen als ihren hiesigen Kollegen. Die Verfasser der Studie in ihrer Zusammenfassung im Forum Weltkirche: «Das soziale Engagement, die prophetische Gesellschaftskritik, die ökumenische Zusammenarbeit und der Dialog mit anderen Religionen erhalten im Schnitt geringe Werte.»Zurück zum Grundsätzlichen: Eine klare Mehrheit der ausländischen Priester ist der Auffassung, Deutschland (und die Schweiz?) sei kein sehr religiös geprägtes Land. Die Kirche stehe in Gefahr, sich der «modernen» Welt zu sehr anzupassen. Was ist davon zu halten?Gewiss, unsere Regionen sind längst zu einem «Missionsgebiet» geworden. Das darf den «Missionaren» aus dem Süden oder Osten jedoch keinen Freipass geben, die Gläubigen ihrer Pfarreren als halbe Heiden zu betrachten und sie entsprechend zu behandeln; was diese keineswegs schätzen. Und betreffs «Moderne»: Es ist keine Lösung, die (post)modernen Gesellschaften zurückzuverwandeln in vormoderne, archaische. Nur wer auch das Positive der modernen Gesellschaft anerkennt, kann erfolgreich an ihren Mängeln arbeiten.Die Studie mag manche Pfarreien in ihren Erfahrungen mit ausländischen Priestern bestätigen. Es ist zu wünschen, dass auch jene Teile der Kirchenleitung, die im Einsatz von – wie die Bayern wohl sagen – zugereisten Pfarrern die Patentlösung für die Zukunft sehen.Walter Ludin
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