Walter Ludin

Wir können Geschwister sein

Alle Gläubigen sind «prophetisch und priesterlich»Ein letzter Abschnitt aus dem Vortrag von Hermann Häring. Ich lasse ihn bewusst unkommentiert …
Viele Katholiken sind nicht nur harmoniesüchtig, sondern auch autoritätsfixiert geblieben.
Deshalb ist Trauerarbeit auch heute noch notwendig Wir müssen und wir können dieses Erbe auch ohne schlechtes Gewissen über Bord werfen. Und deshalb müssen und können wir endlich Konsequenzen zeihen aus Erkenntnissen, mit denen wir schon längst vertraut sind. Wir sollten die Rede vom mystischen Leib vergessen. Sie wurde oft recht banal mit einer Körperschaft übersetzt, die natürlich ein Haupt braucht. Für alle gilt das Johanneswort: «Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen.» (1 Joh 2,27) Das 2. Vatikanische Konzil hat unmissverständlich verdeutlicht, dass das Volk Gottes als Gesamtheit einer jeglichen inneren Strukturierung vorangeht. Sogar das Kirchliche Gesetzbuch von 1983 erklärt, dass durch die Taufe alle Gläubigen «des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi teilhaft geworden sind» (c. 204). Zwar vermeidet das Dokument peinlich weitere Konsequenzen. Aber in einer Epoche, in der das gesamte klerikale System zusammenbricht, ist endlich nach des Kaisers vermeintlichen Kleidern zu fragen. Wenn heute Bischöfe und Priester ihre Amtsvollmacht zur Geltung bringen, dann haben sie, bitte, auch die Beweislast. Von Ambrosius wird noch berichtet, dass er, der noch nicht Getaufte, auf den Ruf eines Kindes hin von der Gemeinde zum Bischof bestimmt wurde. Seit dem Zusammenbruch der römischen Rechtssysteme in der Epoche der Völkerwanderung ist die geordnete Mitwirkung der Gemeinden bei der Bischofsernennung weggebrochen und bis heute wurde es versäumt, diese demokratischen Strukturen wiederherzustellen. Sie haben sich nur noch bei den älteren Orden (z.B. bei Benediktinern und Dominikanern) erhalten. Diese urkatholischen Strukturen schließen aber ein, dass Personen eines jeden Lebensstandes, also auch Frauen, Verheiratete, Homophile diese Funktionen der Gemeindeleitung, des Vorsitzes in der Eucharistie und der Lehre übernehmen können. Wir können Geschwister sein.

14. Januar 2011 | 01:58
von Walter Ludin
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