Walter Ludin

Denkendes ...

… Personal«Ich liebe denkendes Personal», sagt oft eine Bekannte von mir, auch im privaten Kreis. Was sowas bedeuten könnte, zeigt diese jüdische Geschichte:
Bei Grinberg, Getreide en gros, sind zwei Kommis angestellt, beide mit Namen Kohn. Aber Kohn I bekommt genau das dreifache Gehalt von Kohn II. Kohn II beklagt sich darüber beim Chef. Dieser meint: «Wir wollen sehen, was sich tun lässt.»Eine beladene Fuhre kommt vorbei.»Stell fest, was für Ware auf der Fuhre ist!» befiehlt Grinberg.Kohn II rennt und meldet nach wenigen Minuten: «Gerste.»«Stell fest, wem die Gerste gehört!», sagt Grinberg.Kohn II rennt und kommt ausser Atem zurück: «Dem Gutsherrn von Koropitza.»«Frag, wohin die Gerste gebracht wird», befiehlt Grinberg.Kohn II rennt wieder los und kommt halb tot zurück «Zu Teitelbaum in Saposchin …»
Grinberg winkt Kohn I heran und sagt: «Vor einer halben Stunde ist hier ein beladener Wagen vorbeigefahren …»Kohn I dreht sich auf dem Absatz – und fort ist er. Nach einer halben Stunde ist er zurück und referiert: «Ich bin dem Wagen nachgeritten und habe ihn nach zehn Minuten erreicht. Es sind fünfzehn Sack Gerste aus Koropitza, und Teitelbaum hatte drei Gulden für den Zentner offeriert. Ich habe einen halben Gulden mehr angeboten, und der Wagen ist bereits umgedreht und wird in einer halben Stunde da sein …»
Da sagt Grinberg zu Kohn II: «Jetzt weißt du, warum Kohn I dreimal so viel Lohn bekommt wie du.»
Eine ähnliche Geschichte – von zwei Lehrlingen – fand ich einst im Lesebuch meiner Mutter, aus den 1920er-Jahren. Es gibt sie aber auch im Leben. Vielleicht erzählt hier jemand ein Beispiel. Ich werde es morgen tun.

10. November 2010 | 01:20
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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