Wie ökumenisch wird das Konzil sein?
Die Einladung, die Papst Johannes XXIII. an die nichtkatholischen Christen der getrennten Kirchen (erst in der nachträglich veröffentlichten Version der Konzilsankündigung wird das Wort «Kirchen» in «Gemeinschaften» verändert) gerichtet hatte, löst mancherlei Mutmassungen aus. Soll das «Ökumenische» Konzil ein Konzil unter voller Beteiligung anderer Konfessionen sein, oder ist es ein Ökumenisches Konzil im Sinne des Kirchenrechtes, also eine Versammlung der Bischöfe der ganzen römisch-katholischen Kirche? Werden nichtkatholische Christen Teilnehmende sein, oder Zuhörer und Beobachter?Von orthodoxer Seite werden Befürchtungen wach, dass eine Teilnahme am Konzil von der vorausgehenden Unterwerfung unter den Papst abhängen könne – dies wird entschieden zurückgewiesen. Manche befürchten auch, ein Scheitern der aufrichtigen Intentionen Johannes› XXIII. könnte die Beziehungen zwischen den Kirchen gar verschlechtern, zumal wenn die römische Kirche gewissermassen eine die bisherige Ökumene konkurrenzierende ökumenische Dynamik initiieren würde. In positiver Formulierung wird deswegen immer wieder erinnert und gewünscht, der Vatikan möge nicht übersehen, dass die nichtrömischen Kirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen bereits ökumenisch engagiert sind. Mehrfach aufgenommen wird in diesem Sinne die Erklärung des Generalsekretärs des ÖRK, Willem A. Visser›t Hooft, vom 26. Januar 1959: «Es hängt viel davon ab, auf welche Weise das Konzil einberufen wird und in welchem Geist man an die Frage der christlichen Einheit herangeht. Die entscheidende Frage lautet: Wie ‹ökumenisch› wird das Konzil in seiner Zusammensetzung und in seiner geistlichen Ausrichtung sein?» (zit. HerKorr 13 [1958/59] 356).(emf)
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