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NZZ, 14. Februar 1959: Ein neuer Stil im Vatikan

«Rom, im FebruarDie Ankündigung des päpstlichen Vorhabens, in nächster Zeit ein Allgemeines Oekumenisches Konzil einzuberufen, hat in der ganzen Welt ihr Echo gefunden – besonders aber in Rom selbst, wo man von Männern der Kirche hört, wie sehr der unerwartete und kühne Vorstoss mit dem tatkräftigen Geist der Erneuerung übereinstimmt, den Johannes XXIII. im ersten Vierteljahr seines Pontifikats an den Tag gelegt hat. Ein neuer Wind weht im Vatikan. Schon heute sucht man die Bezeichnung für den besonderen Stil des Papstes – so, wie man vom grossen Stil Leos XIII. sprach. Was da zunächst in die Augen fällt, ist seine tiefe Menschlichkeit – wie er ohne allen äusseren Pomp das Krankenlager eines alten Priesters aufsucht, die Spitäler, Asyle und Gefängnisse Roms besichtigt, den Vatikan im unbegleiteten Wagen verlässt, die Formalitäten an den Audienzen so sehr wie möglich einschränkt, in Sankt Peter Messen liest, zu denen man keine Eintrittskarten braucht. Die Römer sehen in ihm einen Mann ihrer eigenen Art, und er liebt es, sich einen demütigen Sohn des Volkes zu nennen.Wichtiger noch sind die Anstrengungen, die der Papst unternommen hat, um die Kurie zu erneuern. Die letzte innere Reorganisation wurde im Jahr 1908 durchgeführt. An der Spitze der Dikasterien und obersten Gerichte der Kirche standen in letzter Zeit oft Kardinäle, die Alter oder Krankheit daran hinderte, ihre leitenden Funktionen wirksam auszuüben. Zudem blieben viele Aemter unbesetzt; es kam zu Kumulierungen, und der bureaukratische Betrieb wurde noch schwerfälliger.Johannes XXIII. hat sich sogleich ans Werk gemacht, um diese Missstände zu beheben. Er füllte alle Lücken im Kardinalkollegium aus und erweiterte es noch über den seit 1586 geltenden Numerus clausus hinaus».(NZZ, 14. Februar 1959; ufw)

11. Juli 2012 | 07:00
von Konzilsblogteam
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