Walter Ludin

Spital 2

Heilsame» Gleichgültigkeit»Kurz vor meinem Spitalaufenthalt las ich in der österreichischen Zeitschrift «Kirche in» einen Artikel des Herausgebers Rudi Schermann, der für mich sehr tröstlich war: «Was uns im gesunden Zustand mit Horror an Diagnosen und Spitalsaufenthalt denken lässt, verwandelt sich im Spitalsbett oft in eine gewisse ‹Gleichgültigkeit›, die uns Leid ertragen lässt.»Tatsächlich, vor der Operation, bis hinein in den Narkoseraum, wurde mir diese Gleichgültigkeit in hohem Masse geschenkt. (s. Blog «Operieren vom 1. Juni); auch nach der Operation.Wenn ich im Spital jemanden besucht hatte, der auch nur an einem oder zwei Schläuchen hing, dachte ich, dies dürfe mir nie im Leben passieren: dauernd eine Nadel im Körper, auf Schritt und Tritt ein störendes Anhängsel. Im Zustand der genannten Gleichgültigkeit im Spitalbett dachte ich aber: «Ich muss hier hindurch. Schlimmstenfalls versuche ich wegzutreten, in den Schlaf zu fliehen, das Ganze zu vergessen.» Und siehe da, als ich erwachte hatte ich ein halbes Dutzend Schläuche. Während der spätern Bluttrasfusion kam noch stundenweise ein siebter hinzu. Ich fand alles nur halb so schlimm. Und genoss es, nicht aufstehen zu müssen. Bald wurde Schlauch für Schlauch entfernt, sehr schöne Erfahrungen der Befreiung!!!Das Ganze ist noch nicht völlig ausgestanden. Immer noch habe ich einen künstlichen Ausgang (»Stoma»). Als der Arzt mir diesen angedroht hatte, fand ich es schrecklich. Bald aber habe ich mich mit dem Ding zwar nicht angefreundet, wohl aber mich daran weitgehend gewöhnt. Und ich freue mich, dass es in etwa zwei Monaten wieder entfernt wird.Bleibt noch der Lymphkonten unter dem linken Schlüsselbein, der kurz nach dem ersten Befund in der Röhre entdeckt wurde. Auch nach 10 Spezialuntersuchungen ist die Ursache völlig unbekannt. In absehbarer Zeit soll er herausgenommen werden, wahrscheinlich sogar ambulant. Am Freitag habe ich nochmals einen Untersuch. Und ich hoffe, nach der Entfernung werden mir keine Nachbehandlungen blühen. Sonst vertraue ich erneut auf die «Gleichgültigkeit».

6. Juni 2010 | 01:07
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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