Frank Jehle
(* 1939) Dr. theol.
ehemaliger Seelsorger und Lehrbeauftragter für evangelische Theologie an der Universität St. Gallen
http://www.frankjehle.ch/
Mein Blick auf das Konzil
Seit je interessierte ich mich für die römisch-katholische Kirche und deren Theologie, was unter anderem wohl damit zusammenhängt, dass meine Vorfahren – die Jehles – ursprünglich eine katholische Familie im aargauischen Fricktal waren. Obwohl dezidiert reformiert erzogen – und zwar im streng zwinglianischen Zürich –, erinnere ich mich gut an meine katholischen Grosseltern, die ich von Herzen liebte. Eine bleibende Kindheitserinnerung sind Ferien in Engelberg, wo ich nicht nur die Klosterkirche, sondern auch die vielen kleineren Kapellen und Bildstöcke immer neu bestaunte.
Eine wichtige Erfahrung war für mich die Lehrtätigkeit an der Kantonsschule Sargans 1970-1982. Sargans ist bis heute stark katholisch geprägt (im Unterschied zum benachbarten Werdenberg, das von der Tradition her streng reformiert ist und woher der grösste Anteil der Schülerinnen und Schüler stammte, die meinen Unterricht besuchten). Ökumene war ein «Muss». Mein katholischer Kollege – Pater Giulio Haas – war mein täglicher Gesprächspartner.
Lange Jahre war ich Mitglied der Evangelisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission der Schweiz, ungefähr zehn Jahre lang einer der zwei Co-Präsidenten. Besonders in der «Reformierten Presse» habe ich zahllose Catholica besprochen.
Das Zweite Vatikanum habe ich seit seiner Ankündigung am 25. Januar 1959 miterlebt – zuerst allerdings eher aus Distanz, später immer intensiver – und noch beteiligter die ambivalente Nachgeschichte.
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