Walter Ludin

Wo bleibt der Mut der Bischöfe

SUBSIDIARITÄT STATT ZENTRALISMUSZum folgenden Abschnitt aus Walter Kirchschlägers Wiener Vortrag fällt mir ein sehr böses Wort von Ludwig Kaufmann seligen Angedenkens ein. Doch zuerst der Text:
Im Blick auf die These, der Zentralismus der Kirchenleitung habe in den letzten Jahrzehnten und nochmals in den letzten Jahren in erheblichem und Besorgnis erregendem Masse zugenommen, ist wohl sehr schnell Zustimmung herzustellen. Dieser Konsens beruht nicht auf einer vorgefassten Position oder einem so genannten «antirömischen Affekt», wie gerne vorgehalten wird, sondern auf der Kirchenerfahrung der Zeit um und nach dem letzten Grossen Konzil und den Erfahrungen unter dem gegenwärtigen Bischof von Rom und seinem Vorgänger. In vielen Schritten wurden dabei zunächst die Befugnisse der Bischofskonferenzen und der Diözesanbischöfe eingeschränkt, die Genehmigungs- und Approbationsrechte Roms gegenüber den Kirchen am Ort ausgeweitet und ein immer dichter werdendes Netz von Reglementierungen implementiert. Stärker als je nach dem Konzil erwartet, wurden die Diözesanbischöfe unter zumindest implizite zentrale Kuratell gestellt. Von einer kollegialen, mitbrüderlichen und gemeinsamen Sorge kann angesichts der gewählten Vorgangsweise wohl nicht wirklich die Rede sein, auch wenn dies von Bischöfen des öfteren herbeigeredet wird. Es fällt ja auf, mit welcher Beharrlichkeit das brüderliche Gesprächsklima von Begegnungen in Rom hoch gelobt wird,9 während die Ergebnisse solcher Gespräche, sofern sie überhaupt öffentlich zugänglich werden, doch eher nach der Entgegennahme von römischen Weisungen aussehen. Besonders entlarvend ist es dann, wenn Bischofskonferenzen ihnen nachweislich gegen den Strich laufende Dokumente in ihren Presseerklärungen «dankbar begrüssen».Vielleicht ist demgegenüber der einen oder dem anderen unter Ihnen noch der saloppe Kommentar im Ohr, den der damalige Wiener Weihbischof Florian Kuntner nach einem Rom-Besuch in den 80erjahren des letzten Jahrhunderts abgegeben und um dessentwillen er sodann zu einer neuerlichen Romreise – wie heisst es doch? – «eingeladen» wurde: «Wir haben unsere Ohrfeigen10 bekommen.»Vor Jahrzehnten wurde mein Freund Ludwig Kaufmann in einer Fernseh-Diskussion gefragt, wann es in der römisch-katholischen KircheFrauen als Bischöfinnen gäbe. Seine provozierende Antwort: «Ich wäre froh, wenn Männer Bischöfe würden.»Sicher, es gibt «mannhafte» Bischöfe, die nicht vor den römischen Instanzen kuschen. Ich denke da an den Franziskaner-Kardinal Paulo Evaristo Arns. Er erzählte mir, wie er bei der Bischofskongregation vergeblich um die Ernennung eines bestimmten Priesters zum Weihbischof gebeten hatte. «Dann werde ich Rom nicht verlassen, bis ich zum Papst kann und er mir meine Bitte gewährt hat.» Bruder Paulo blieb tatsächlich in Rom, bis er seine Audienz bekam. Der Papst ging auf seinen Wunsch er. Der Kardinal solle dies der Bischofskongregation selber mitteilen. Diese fragte: «Womit haben Sie den Heiligen Vater überzeugt.» Darauf Arns: «Dies ist eine Sache zwischen dem Papst und einer seiner Bischöfe und geht sonst niemanden etwas an.»

14. Dezember 2009 | 01:07
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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