Konzilsblogteam

Christian Cebulj

(* 1964) Dr. theol.
Prof. für Religionspädagogik an der Theologischen Hochschule Chur
www.thchur.ch
 

Mein Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil

Ich bin ein Jahr vor Konzilsende geboren und durch meine Kindheit und Jugend in einer liberal-katholischen Familie fest vom nachkonziliaren Kirchenbild geprägt. Dass wir als Ministranten bei Aufbau einer neu gegründeten Stadtrand-Pfarrei lebendiges «Volk Gottes» mitgestalten konnten, hat meine Theologie ebenso geprägt wie die Kontakte zu konzilstheologisch orientierten Franziskanern am Amazonas und Jesuiten in Paris während meines Studiums.
Die Erinnerung an das Zweite Vatikanische Konzil führt mir als Religionspädagogen immer wieder vor Augen, wie bahnbrechend die theologische Bedeutung von Karl Rahner nicht nur für das gesamte Konzil, sondern auch für die Entwicklung unseres Faches war. Die «kerygmatische Wende» der Theologie, die Rahner gleich zu Beginn seiner Innsbrucker Zeit zusammen mit dem Liturgiker Josef Andreas Jungmann vollzog, war eine Hinwendung zum Menschen. Als «anthropologische Wende» prägte sie – wesentlich unter dem Einfluss Rahners – das Zweite Vatikanische Konzil. In der Religionspädagogik wurde diese Wende von den praktischen Schwierigkeiten, die im Religionsunterricht der Konzilszeit auftauchten, praktisch erzwungen.
Wenn heute Korrelationsdidaktik und Subjektorientierung in Religionsunterricht und Katechese zu den Grundpfeilern des religionspädagogischen Selbstverständnisses zählen, hat das nicht zuletzt mit der Rezeption von Rahners Gnadentheologie in verschiedenen Konzilsdokumenten zu tun. Das macht ihre Relecture, wie sie u.a. in den Beiträgen des vorliegenden Konzilsblogs unternommen werden soll, bis heute spannend. Vielleicht lässt sich manches, was Karl Rahner in den 1960er Jahren prophetisch vorausgedacht hat, heute wieder neu in die religionspädagogische Debatte einbringen.

5. Juli 2012 | 16:19
von Konzilsblogteam
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!