Sibylle Hardegger

(Beinahe) Tatwaffe Kirchengesangbuch

Die letzte Woche hatte ich es doch tatsächlich mit den Feinheiten der schwedischen Sprache zu tun bekommen. Fakt ist, dass seit ein paar Wochen sämtliche Kirchengesangbücher (ausser einem) aus unserer Kapelle verschwunden sind. Einfach so. Keine Spuren! Da ich etwas zur Sakristei schaue und auch sonst mal Ordnung in der Kapelle mache, war es mir ein Anliegen die Bücher wieder zu finden. Ich fragte also zunächst auf dem Newmankorridor alle Mitarbeitenden. Doch leider gab es keine heisse Spur. Dann habe ich ein Rundmail verschickt, da waren auch die Lehrenden einbezogen. Ich dachte mir, vielleicht hat das irgendjemand in seiner Vorlesung verwendet. Kann ja sein. Doch die Antworten waren negativ. Ich habe also meinen Kreis weiter gezogen und bin dem Regens und den Seminaristen gewissermassen «auf die Pelle gerückt». Doch… ohne Erfolg. Die Bücher blieben verschwunden. Da habe ich also mal den Rektor gefragt, ob er eine Idee hätte, wo die Bücher hingekommen sind. Auch P. Rektor hatte keine Ahnung. Er gab mir den Tipp mal im Studentenkorridor nachzufragen. Vielleicht hat einer der Studenten Musik machen wollen oder die Bücher als Literatur einer Vorlesung gebraucht. Ich fand die Idee okay, glaubte aber kaum, dass sich einer der Studenten 15 Kirchengesangbücher ausgeliehen hatte. Am ehesten vielleicht noch unser Musiker Student. Also schickte ich über Facebook die Anfrage: Hallo, hast du vielleicht die Kirchengesangbücher aus der Kapelle genommen. Auf Schwedisch! Am nächsten Tag stand der Student in meinem Büro – aus heiterem Himmel. Und er brüllte mich an, was ich damit gemeint hätte. Ich sagte, was ich geschrieben habe: Ob er vielleicht die Bücher aus der Kapelle genommen hätte. Und er steigerte sich in einen Wutanfall – in dem er wohl am liebsten mir alle 15 verschwundenen Kirchengesanbücher um die Ohren geschlagen hätte. Ich sah meine Rettung nur noch darin, ins Englische zu wechseln und versuchte ihm zu erklären, dass es nur eine Frage gewesen sei. Er war um nichts in der Welt zu beruhigen. Verliess aber dann zum Glück mein Büro. Heute habe ich erfahren, dass er sich beim Rektor über meine «Anschuldigung» beschwert hatte. Wenn er wüsste, dass es doch des Rektors Idee war, ihn anzufragen….
Die Lehre aus dieser Geschichte: Formuliere deine Fragen in Zukunft vornehmer: Mein Lieber, ich wollte – wenn es dir jetzt passen würde – kurz anfragen, aber nicht deine Zeit stehlen, ob es allenfalls denkbar wäre, dass du vielleicht und nur ausserordentlcher Weise unsere Gesangbücher aus der Kapelle für eine ganz ganz kurze Weile (von mehreren Wochen Anmerk der Red.) genommen hast und allenfalls noch nicht die Zeit hattest dieselben zurückzulegen. 

13. Oktober 2013 | 21:38
von Sibylle Hardegger
Lesezeit : ca. 2  Min.
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