Geisterstadt
Während unserer Tage in Palästina haben wir uns auch aufgemacht nach Hebron. Wir wollten das Grab des Patriarchen Abraham besuchen. Die Fahrt dorthin ist trostlos inmitten einer fruchtbaren Landschaft. Die neu gebaute Strasse verbindet Betlehem und Hebron, doch nicht alle dürfen sie befahren. Das israelische Militär ist allgegenwärtig. Wir fahren durch eine Siedlung, um das Grab zu erreichen. Geschützt wie ein Hochsicherheitsgefängnis… Wir sind die einzigen Touristen in Hebron. Es gleicht einer Geisterstadt. Nach dem Besuch des Grabes wollen wir noch in die Altstadt. Wir gehen durch Strassen, in denen alle Läden verriegelt sind. Keine Menschen auf den Strassen. Wir fühlen uns beklemmt. Wieder kommen wir zu einem kleinen Checkpoint und dieses Mal ruft man uns zu nicht näher zu kommen. Was wir suchen, werden wir gefragt. Die Altstadt, unsere Antwort. Dann müssen wir unsere Pässe vorweisen. Hier gäbe es nur die jüdische Siedlung und keine Altstadt, sagen uns die Soldaten. Wir schauen uns an. Dann nähert sich ein junger Palästinenser. Er wird sofort aufgehalten von den Militärs. Er darf nicht auf uns zukommen. Deshalb gehen wir zu ihm. Nach einem kurzen Wortwechsel bietet er uns an, die Altstadt zu zeigen. Wir nehmen das Angebot an und entfernen uns vom Grenzposten. Die Militärs raunen uns zu: Seid vorsichtig. Mit dem jungen Palästinenser, dessen Namen wir in den nächsten Stunden gar nicht erfragen und auch nicht erfahren, besuchen wir die Altsadt. Zu sehen gibt es vor allem leere Gassen und geschlossene Läden. Ein trauriges Bild. Abends um 20.30 h wird die Altstadt geschlossen. Keiner kommt mehr rein und keiner mehr raus. So gehen wir eine ganze Zeit durch die Strassen und Gassen. Hie und da begegenen wir einem Grüppchen Menschen, aber vermehrt Ziegen und Esel. Es ist bedrückend. Immer wieder sehen wir über uns (das heisst über den Gassen der Altstadt) die Wohnungen und Häuser der Siedler. Zwischen den Gassen und den Wohnungen hängen Netze und Stacheldraht. In den Netzen liegt viel Abfall, Steine und anderer Schrott, der aus den Häusern über uns in die Gassen herunter geworfen wird. Die Bildsprache ist stark und wir haben wenig Worte für das, was wir hier erleben.
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