Der Pfad der Geschichte
Koskys geniale Regiearbeit zitiert Theater- und Literaturgeschichte und schafft doch etwas eigenständig Neues. Sein «Macbeth» spielt auf Harry Kupfers (sein Vor-Vorgänger an der Komischen Oper) «Pfad der Geschichte», wie er sich spätestens seit dem «Ring» in Bayreuth in unser Theater-Gedächtnis eingeprägt hat. Die einzelnen Figuren bzw. Gruppen tauchen aus dem Dunkel eines kollektiven Wissens auf und wieder dorthin ab. Der Pfad ist schwarz wie die Geschöpfe der Nacht, die in ihm leben. Zusätzlich spielt Kosky mit dem Motiv des (ebenso schwarzen) Raben aus Edgar Allan Poes Schauergedicht. Tote und lebende Raben begleiten das Mörderpaar, für Blut stehen Rabenfedern. Einfach schön! Und in der Wahnsinns-Szene der Lady (in strahlendes Hochzeitsweiss gekleidet) sitzt der Rabe neben ihr auf dem Stuhlrand und murmelt sein schreckliches «Nevermore». Nicht nur schön, sondern genial. Ich verneige mich vor Herrn Kosky.
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