Beachtlich III
Nr.109, 13.Mai, S.21, René Rhinow, «Hat die Mehrheit immer recht?»
«Wir wissen, dass der Mensch als Mängelwesen seine Entscheidungen rational und irrational fällt, von Trieben und Emotionen gesteuert wird, sich täuschen kann und sich – vor allem – aufgrund einer ihm zur Verfügung stehenden, begrenzten Informationslage entscheidet. Sein Wissensstand stützt sich auf mediale Berichte, Bilder und Metaphern, die ideologisch zugerschnitten sein können. Diese Feststellung ist kein Plädoyer gegen das Mehrheitsprinzip, sondern sie bestätigt die Einsicht, dass alle Entscheidungen in der Demokratie einen vorläufigen Charakter besitzen. Denn der Mensch ist auch lernfähig, gewinnt neue Einsichten, kann und darf frühere Haltungen revidieren. So könnte die Geschichte der schweizerischen Demokratie auch als eine Geschichte korrigierter Volksentscheide geschrieben werden.»
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