Sibylle Hardegger

Hl. Ansgar in Birka

Gestern habe ich einen Ausflug auf die Insel Birka gemacht. Dort kam im 9. Jahrhundert der Benediktinermönch Ansgar an Land. Er hatte den Auftrag von Kaiser Ludwig den Norden zum Christentum zu bekehren. Hier also liegen die Anfänge des Christentums.Die Insel ist nur mit dem Schiff zu erreichen. Die Fahrt von Stockholm dauert 2 Stunden. In Birka angekommen, strömten die meisten Touristen ins Wikingermuseum oder ins Restaurant. Ganz alleine machte ich mich auf den Weg zur Ansgarkapelle, die etwa 2 km vom Hafen entfernt liegt. Es ist typisch hier in Schweden. Das Religiöse ist aus dem öffentlichen Leben verbannt, so fällt es auch kaum jemandem ein, eine Kapelle zu besuchen, wenn es doch soviele andere Unterhaltungsmöglichkeiten auf der Insel gibt. Mir soll es recht sein. So hatte ich genügend Zeit die Kapelle zu erforschen. Schon von weitem fallen die weit offenstehenden Türen auf. Eine herzliche Einladung. Die Kapelle ist nicht gross, deshalb hat man Bänke vor die Kapelle gestellt. Der Vorplatz dient quasi als Erweiterung des Kirchenschiffes – falls mal viele Leute kommen. Die Türen zieren sehr schöne Gemälde aus dem Leben des heiligen Ansgar. Auch die Apsis ist ausgemalt. Die Bilder sind nicht alt, aber sie sind sehr schön. Der Ort strahlt etwas von einer Eremitage aus. Man fühlt sich wohl – und unter dem Dach der Kapelle irgendwie «beschützt». Wie in vielen Kirchen Schwedens wird hier den Besuchenden Kaffee angeboten. Ist mir sehr willkommen, bevor ich mich zum Streifzug über die Insel aufmache. Ich bin froh, dass ich dieses Kleinod entdeckt habe. Ein Gedanke lässt mich nicht mehr los. «Engelsflügel»! Die weit geöffneten Türen der Kapelle sehen aus wie Flügel – Engelsflügel. Ein französischer Ausdruck sagt «un ange passe» – wenn man von etwas Unerklärbarem berührt wird. Mir geht es hier auf Birka so. Ansgar und seine Gefährten kamen mit Nichts nach Birka – da sie auf halber Strecke zwischen Norddeutschland und Schweden Schiffbruch erlitten. Sie haben alles verloren – ausser ihren Glauben und den haben sie reichlich geteilt. Ein Engelsflügel hat mein Herz berührt.

1. August 2012 | 10:11
von Sibylle Hardegger
Lesezeit : ca. 1  Min.
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