Heinz Angehrn

Rückert-Lieder

Manchmal lohnen sich die kleinen Abstecher zu den «Sonntags um 5»-Konzerten in unserer Provinzstadt. Nicht immer, wir hörten die Musiker/innen aus dem eigenen Orchester auch schon zittern und wackeln. Aber meist, vor allem wenn die Jungen am Werke sind, macht man(n) erfreuliche Entdeckungen. So etwa gestern: die vier Solisten wagten sich an Schuberts Streichquartett Nr.13 a-Moll D 804 und bestanden vor diesem schwermütigen Alterswerk bestens. Chapeau.Aber noch besser wurde es nach der Pause: Drei der vier traten nun mit einem Pianisten und mit der Mezzosopranistin Susanne Gritschneder an, um Gustav Mahlers Rückert-Lieder aufzuführen. Und Frau Gritschneder hob diese teils kurzen und vom Text her doch recht sentimentalen Texte in eine höhere Ebene des spätromantischen Gesangs. Ich sage ihr eine Karriere im Bereich der schweren Rollen ihres Fachs (Ortrud, Fricka, Brangäne) voraus. Tolle Stimme, gute Diktion, schwerelose Tiefen ohne Drücken. Und dann noch zum Arrangement des Dirigenten und Pianisten Stéphane Fromageot. Er setzte diese Lieder, die es im Repertoire mit grossem Orchester und mit Piano solo gibt, für das Kleinensemble. Mutiger Kerl! Und zu kritisieren gibt es nur eins: Mit der Setzung hat er Herrn Mahler eine Zuckerglasur verpasst, die im Original nicht vorhanden ist. Zu viel Rückert, etwas zu wenig Mahler. Trotzdem: Auch gestern herrschte Freude!

17. Februar 2014 | 14:24
von Heinz Angehrn
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