Heinz Angehrn

Inkarnation

Immer wieder beschäftigt die zumutende Behauptung der christlichen Religion, dass sich der Ewige in Menschengestalt und mit einem Menschengesicht geoffenbart habe. Ich gestehe ein, dass ich die Kritik der beiden anderen monotheistischen Religionen an einer solch extremen Aussage verstehen kann.
Genügte es denn nicht, zu sagen, dass es vom Geist Gottes in höchstem Ausmass ergriffene Menschen gegeben hat (Mose, Jesus, Mohammed als aus der grossen Schar der Propheten/innen Herausragende)? Ist die Aussage der Inkarnation nicht doch auch infiziert durch griechische Gottesvorstellungen? Kann ausgeschlossen werden, dass bei der Niederschrift von Jes 7 und Lk 1 an Zeus und die Halbgötter gedacht wurde? Vermutlich nicht, aber es gibt ja die Zeit der späteren Interpretation.
Und in dieser Deutungsgeschichte der biblischen Texte haben die frühen Konzilien den Gedanken der Inkarnation erst zu dem gemacht, dass er auch logisch akzeptiert werden kann. Kein naturwissenschaftlich-biologisches Wunder, sondern theologische Philosophie, die das menschliche Denken in ganz neue Dimensionen wies. Teilhard de Chardin machte das später viel deutlicher, als er von der noch ausstehenden Christogenese unserer gesamten Spezies sprach.
Schöne Weihnachten wünscht der einerseits liturgisch, andrerseits als Arztgehilfe tätige Schreiber für die nächsten Tage.

23. Dezember 2011 | 10:39
von Heinz Angehrn
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