Geisterbahn 3
Nun war es an diesem Schulmorgen zur ersten, von allen wohl erwarteten Auseinandersetzung zwischen Keller und Reto gekommen. Reto hatte ein Wort zu viel gesagt (man hätte ihn warnen können, doch ihm wäre es egal gewesen), und Keller hatte voll zugeschlagen. Reto war in seinen Stuhl zurückgeschleudert worden, wurde von Keller wieder in die Höhe gehoben und nun regelrecht verdroschen. Die Klasse, Kellers Wut schon lange kennend, sass versteinert. Ingo aber, sonst ob Kellers Ausbrüchen innerlich schon manchmal empört, vor allem, wenn sie Mädchen betrafen, war irgendwie zufrieden, spürte die Gerechtigkeit walten. Nun erhielt die Ordnung, die Ingos Leben ihre Stabilität verlieh, doch wieder ihr Recht. Jeder Schlag Kellers machte deutlich, dass die Welt doch nicht aus den Fugen geraten war. Und so, als die ganze Sache sich beruhigt hatte, Reto mit rotem Kopf, Keller mit noch härterer Miene als sonst da sass, die Klasse einigermassen beruhigt war, die Pause begonnen hatte, war Ingo rasch an seinen Kameraden vorbeigewischt, hatte aber doch einen kurzen triumphierenden Blick auf Reto geworfen. Und der hatte diesen Blick wohl gesehen, so ängstigte sich Ingo nun schon seit der Morgenpause. Was da wohl in der Schulhausecke besprochen wurde, wo Reto, schon wieder locker und frech, seine Reden vor einigen auserlesenen Zuhören hielt?
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


