Mt 15,21-28
Das ist nun doch wirklich ein spannender Text zum Predigen. Ich wäre da gerne Mäuschen und würde bei meinen Kollegen/innen heimlich zuhören.
Spannend zum Ersten das wohl krasseste im NT berichtete «Fehlverhalten» unseres Religionsgründers, der im Widerspruch zum Bild, das wir alle so gern von ihm zeichnen, intolerant reagiert und in bester jüdisch-orthodoxer Tradition einer Fremden das durch ihn wirkende heilend-helfende Handeln Gottes verweigert.
Spannend zum Zweiten der Versuch der Predigenden, dies zu deuten. Ich gestehe ein, dass ich dies theologisch eher locker, ja irgendwie auch gern ironisch tue. Ich sage: Wenn dogmatisch gesagt wird, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich war, dann hat hier eben seine menschliche Seite versagt (genau die, die ihn bei der Tempelreinigung auch dazu bringt, Kleinhändlern ihr Gewerbe zu zerstören).
Spannend zum Dritten für mich die eigene Erkenntnis, dass im historischen Durchblick die katholische Kirche wohl eher gefeit war und ist vor der Gefahr des nationalen Reklamierens des Heilswirkens Gottes (ich verwies u.a. auf das Verhalten der evangelischen Nationalkirchen 1914 und auf die Mit-Kriegsverbrecherschaft der serbisch-orthodoxen Kirche und ihrer Würdenträger). Ausnahmsweise einmal ein positiver Aspekt des römischen Zentralismus!
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