Nachgetragen
Mit grosser Spannung lese ich mich quer durch die Kommentare und Leserbriefe, die im Nachklang des Verbrechens von Oslo allerorten abgedruckt werden. Und ich stelle fest: In politischen wie kirchlichen Rechtskreisen herrscht nun ein pikierter bis aggressiver Umgangston. Allerdings in breitester Palette.
Am übelsten (wie immer) steht unser alt Bundesrat C.B. in der Landschaft. Ihm ist nichts Besseres eingefallen, als die norwegische Zivilgesellschaft und ihren Umgangston zu attackieren und quasi als selbst schuldig hin zu stellen. Solche intellektuell nicht verantwortbaren Aussagen passen zu diesem furchtbaren Menschen, der er seit seiner Zeit als mit seiner kirchlichen Herkunft unzufriedener Pfarrerssohn geblieben ist. Versöhnlichkeit und Harmonie dürfen nicht sein. Der Starke setzt sich durch. Die «Netten» sind selber schuld.
Die österreichische FPÖ tut sich schwer, sich von einem Abgeordneten zu distanzieren, der das Verbrechen Breiviks mit der Abtreibungspraxis in seinem Land gleich setzt. Tief gräbt sie im braunen Sumpf, der von religiösen wie religionsfeindlichen Wässerchen angereichert wird. Wertsysteme werden locker verschoben, Holocaust und soziale Indikation gleichgesetzt. Gilt eigentlich: FPÖ=kreuz.net?
Todbeleidigt dann die gemässigteren Reaktionen, etwa die Replik auf Saskia Wendels scharfe und scharfsinnige Auslegung des Monsterpamphlets von Breivik. Da heisst es (M.Matussek) dann beleidigt und scheinempört zugleich, es finde jetzt «die linke Sympathisantenjagd auf Islamkritiker oder Konservative oder Christliche oder alle, die man sowieso nie leiden konnte und die jetzt mal, im Schatten eines Massenmordes, ordentlich abgeschrubbt werden dürfen» statt. Interessant, dass für Matussek Frau Wendel (und in dem Fall noch viele ähnlich Denkende) nicht «christlich» sind.
Wie gesagt: Spannend, all dies. Und böse verräterisch für das, was da im Hintergrung gedacht wird, aber nicht gesagt werden darf!
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