Kondomgebrauch und Ethik
Worin liegt der Dammbruch bei den Aussagen von Benedetto? Wo liegt die Problematik? Hans Küng hat es im Interview mit der Süddeutschen Zeitung so klar formuliert, dass ich nur zu zitieren brauche. Er spricht – überraschend bei ihm – von der «Unfehlbarkeits-Falle» (Auszüge):
«Es ist lobenswert, dass der Papst es wagt, von der bisherigen offiziellen Linie abzurücken. Aber das ist faktisch nur das Eingeständnis, dass sich diese Lehre nicht aufrechterhalten kann. Der Papst ist sich darüber im Klaren, dass auch konservative Katholiken das absolute Kondomverbot nicht gebilligt haben. Und, dass die bisherige vatikanische Politik gegen die Kondome die Kirche lächerlich gemacht hat. Insofern ist es eine taktische Wende und keine grundsätzliche Wende.Eine grundsätzliche Wende wäre es, wenn Benedikt nicht nur männlichen Prostituierten eine Antwort gäbe, sondern heterosexuellen Ehepartnern: Dass die katholische Kirche endlich davon abrückt, dass Empfängnisverhütung unsittlich sei. In der Bibel steht darüber nichts. Es handelt sich faktisch um eine falsche Ableitung aus der Naturrechtslehre, als ob jeder Geschlechtsverkehr auf Fortpflanzung ausgerichtet sein müsse.Eine Diskussion wird es jetzt zweifellos geben, in der Kirche und auch im Rest der Gesellschaft. Nur: Es ist sicherlich nicht im Sinne des Papstes, dass die Menschen eine intensive, fortschrittlich ausgerichtete Debatte führen.»
Die Schlussbemerkung: Frustrierend, aber wohl korrekt.
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