Heinz Angehrn

Einstieg und Rückblick

Nach höchst turbulenten Tagen zu Ende und Anfang der Woche mit diversesten Gottesdiensten, gesellschaftlichen und privaten Verpflichtungen und einem Besuch des Fernsehens als Sahnehäubchen bleiben zunächst zwei Berichterstattungen aus dem Gebiet der Kultur:
a) Eine zum Thema, wie sich eine 16jährige Pianistin benehmen sollte und wie nicht,b) und eine zum Thema, was ein Schweizer Regisseur aus Rossinis «Tell» machen kann bzw. machen sollte, und wie der nichtschweizerische Teil des Publikums darauf reagierte.
East meets West, la Svizzera interna si incontra con l’Italia – da gibts schon confusiones.
Zum Ersten: Anlässlich des ersten diesjährigen Migros-Kulturprozent-Classics-Konzerts (grässlich lang, dies Wort) in St.Gallen gastierte das Shanghai Philharmonic Orchestra unter Muhai Tang. Ein elend anspruchsvolles Programm ward gegeben, uns Romantik-Verwöhnten blieb zwischen Prokofjev, Tan Dun und Strawinski nicht eine Sekunde zum geistigen Relaxen. Ein harter Abend, manchmal gar ein Guantanamo für Kulturfreunde! Mit grosser Sehnsucht harren wir der kommenden drei Konzerte, die uns mit Mozart, Beethoven, Tschaikowsky, Bruch und Franck teilweise wieder besänftigen werden. A ja, und da war noch das ungehörige Betragen: Mélodie Zhao hiess die 16jährige Begabung in Prokofjevs hammerhartem drittem Klavierkonzert. Technisch brilliant, ob allen Wassern des Anspruchs schwebte sie, aber im Ausklang benahm sie sich wie eine Mixtur aus Maria Callas, Lang Lang und Freddie Mercurey. Meine Noten für Fräulein Zhao: Technisches Können: 5,75, Betragen: 3.
Die «Guillaume Tell»-Kritik ist zu lang. Zu erhalten auf dem ordentlichen Weg.

22. November 2010 | 08:44
von Heinz Angehrn
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