Heinz Angehrn

Dieser Tag ist die Bewährungsprobe

In meinen Augen macht keine Predigt so deutlich, wo ein/e Theologe/in gedanklich weltanschaulich steht, wie die des Karfreitags. Hören Sie genau hin, was Ihre Prediger/innen heute sagen. Und Sie werden erkennen, in welcher Grundausrichtung von Theologie dieser Mann, diese Frau, steht.
Ist er/sie immer noch gefangen vom alten Sündenfall-Erlösungs-Schema, dann wird er/sie sagen, dass durch das Sterben Jesu der gefallene Mensch wieder aufgerichtet wird, wird er/sie sagen, dass der einzigartige Opfertod am Kreuz den Menschen erst wieder würdig und gerecht gemacht hat. Er/Sie wird sagen, dass nur von diesem Kreuz Heil und Heilung kommt.
Hat er/sie aber die Augen und Herzen offen für ein schöpfungsspirituell positives Denken von Mensch und Welt, wird er/sie sagen, dass Jesus der Prototyp des gottesebenbildlichen Menschen war in seinem Suchen und Streben nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde, und dass wir in seiner Hinrichtung symbolisch vor uns am Kreuz das Leiden so vieler erkennen, die, die meisten ungewollt, einige heiligmässige Menschen aber gewollt, von einem kalt-pragmatischen Denken an den Rand des Lebens, ja in den Untergang gedrängt wurden. Wir werden dann erkennen, das es das Zitat aus Jes 53 ist, das den Karfreitag erhellt (»Er trug die Sünden von vielen», nicht «Er trug den gefallenen Menschen»): Stellvertretend für Dich, für mich, hat er Deine, meine, Schattenseiten er/getragen! Das Kreuz als Ort der Versöhnung.

2. April 2010 | 07:40
von Heinz Angehrn
Lesezeit : ca. 1  Min.
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