Heinz Angehrn

80er Jahre

Es sei hier in einem doch ziemlich öffentlich einsehbaren Raum ohne Nennung irgendwelcher Namen und Orte geschildert, wie die Handhabung des zurzeit hochdiskutierten Themas in den 80er Jahren aussah:
Wir Kollegen/innen erfuhren ziemlich schockiert von einem Fall von sexuellen Übergriffen im Dekanat. Niemand hatte das geahnt oder auch vermutet. Ich als damals sehr junger Seelsorger erlebte auch, wie der Diözesanbischof traurig und schockiert war, eine ehrliche und glaubwürdige Reaktion. Vertuscht und beschönigt wurde da nichts. Ich nehme darum an, dass dann Abklärungen und Gespräche im Sinne dessen erfolgten, wie das Bistum Basel eben informiert hat. Der schuldige Seelsorger wechselte auf jeden Fall die Stelle weit weg in ein anderes Bistum. Er ist inzwischen verstorben, darum kann ich überhaupt berichten. Sicher gibt es irgendwo unter uns Erwachsene, die damals Opfer waren.
Meine Gedanken heute? Ich glaube, dass wir viel früher aufmerksam hätten werden müssen, wenn eine Kollege im Verlauf der Seelsorgejahre zunehmend vereinsamte, etwas verlotterte und so zu einer Art tragischer Figur wurde. Ich glaube auch, dass damals Täter eher zum Typus «lieber» (sprich: dem Volk verbunden, Gemeinschaft suchend) Seelsorger gehörten. Ich kann das aber nicht sachlich belegen.

22. März 2010 | 08:37
von Heinz Angehrn
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