Morgenlicht für alle
Zum Schluss der Lesungsreihe dieses Winters in unserer Pfarrei zum Titel «Bilder von der Kirche: Machtanspruch oder Verheissung» wagten wir uns an den Grössten und Schwierigsten. Zuvor hatten wir Medard Kehl, Paul Michael Zulehner, die Kirchenkonstitution des Vaticanums und Bernard Rootmensen zu Wort kommen lassen und erkannt: Die Kirche, die im Vaticanum neu als Volk Gottes auf Basis des Priestertums aller Gläubigen definiert und erkannt wurde, befindet sich auf dem Weg einer neuen Wüstenwanderung, weg von den Fleischtöpfen der sicheren Vergangenheit, als kleiner werdende und angefochtene Gemeinschaft jener, die das Wort von Jesus, der ihr zum Christus wurde, bewahren, und die aufgefordert ist, nicht in die Weite, sondern in die Tiefe zu expandieren und so spirituelle und gastfreundliche Gemeinde irgendwo in den Versteppungen der Gesellschaft zu sein.
Der «Grösste und Schwierigste» zum Schluss, das war natürlich Karl Rahner. Wir lasen aus den «Schriften zur Theologie» aus Band VIII den Vortrag/Artikel «Das neue Bild der Kirche», den Rahner ab dem Januar 1966 mehrfach gehalten und dann ausformuliert hat. Rahner verweist auf die zwei theologischen Sensationen im Konzil bezogen auf das Kirchenverständnis: die Aussage, dass die Kirche in jeder einzelnen Ortsgemeinde «vere adest», und dass sie «sacramentum» des Heils der Welt ist. Er entwickelt in faszinierender Nähe zu Paulus und Barth seine Theorie des anonymen Christen weiter, er sieht 1966 in klarster Weise die sozial-soziologische Entwicklung bis heute voraus und entlässt uns in optimistischer Stimmung: Die Kirche der Zukunft darf keine Sekte sein, kein Trüppchen der im Leben Zukurzgekommenen und gesellschaftlich Frustrierten (alles Rahner-Originalbegriffe!). Sie lebt vielmehr im Licht des Morgens, wissend, dass dieses Licht allen bestimmt ist, egal wie explizit oder nicht sie Glauben leben. Sie wird machtloser denn je sein in gesellschaftlichem Sinne, und ihre Hirten werden keine Herren mehr sein.
Uns Seelsorgenden, Ihnen, liebe Bischöfe, und dem Big Boss tief in Hirn und Herz gesagt!
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