Salome anno 2000
Erst- und letztmals soll nun ein Opus des Herrn Martin Kusej kommentiert werden. Der erste Opern-Erfolg von Richard Strauss ist bis heute ein musikalisches und inhaltliches Hammer-Werk. Mit einer Intensität ohnegleichen am Rand der Tonalität und doch wieder tief im Klangschmelz einer ausgehenden Zeit (Uraufführung noch vor den Katastrophen des 20.Jahrhunderts) wird die biblische Geschichte um das Leiden und die Lüste der jungen Salome in strengem Kontrast zur apokalyptischen Predigt des Asketen Johannes gezeigt. Herodes, ihr Stiefvater, der zu Ende der Oper das schreckliche «Man töte dieses Weib» ruft, ist einer der argen Opern-Wüstlinge, weit schlimmer als Tom Rakewell es je sein kann. Sein dekadenter Hofstaat ist es letztendlich, der die Prinzessin im Innern zerstört. Dieses Werk zu inszenieren ist für einen Regisseur mit dem Faible für die Schönheit der Dekadenz (dementsprechend auch mit schönen Körpern – man denke an Wolfgang Zörners berühmte Inszenierung in St.Gallen oder an Bryn Terfel als Jochanaan, da versteht man Salome ja schon) eine Wonne.
Nicht so Herr Kusej. Seine Absicht war es im Jahr 2000 in Zürich, uns diese Oper für immer zu verleiden. Er zerstörte, was er zerstören konnte, stellte hässliche Menschen auf die Bühne (dabei sangen Stephanie Friede und Albert Dohmen wirklich gut), machte aus Herodes ein pädophiles Monster und aus Salome eine puppenzerreissende Psychopathin, beglückte uns mit einer klaustrophobischen Wasserkuppel und einem gelben Gummiboot und inszenierte bewusst gegen den übermächtigen Strauss’schen Orchesterklang. Angewidert flohen wir aus dem Opernhaus und hatten grosses Verlangen, mindestens «Gone with the wind» und «Titanic» hintereinander zu sehen, um wieder ins seelische Lot zu kommen.
Wehe, wenn sie losgelassen (man vergleiche nur seine aktuellen «Taten» wie «Zauberflöte» und «Elektra»).
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